Samstag, 4. März 2017

Breathing Underwater

Eine sanfte Briese weht. Der Baum schmiegt sich mir in den Rücken und hält mich sicher und geborgen. Sonnenflecken fallen durch das Blätterdach und sprenkeln den kleinen Bach mit Goldtupfen, der unter mir plätschert. Durch das Dickicht um mich dringt das Lachen der spielenden Kinder auf den Wiesen des botanischen Gartens. Ich lege mein Buch beiseite, blicke hinauf in das leuchtende Grün und genieße den Moment.
Eine Erfahrung, die ich schon häufig geschildert habe, aber die ich definitiv noch oft vertiefen muss, ist wie wichtig Zeit für mich alleine ist und wie wenig ich sie mir nehme. Ich reise zwar alleine, aber besuche viele Freunde und lerne ständig neue Menschen kennen. Das ist wundervoll, aber darüber vergesse ich häufig zur Ruhe zu kommen. Am Sonntag habe ich es nun endlich geschafft alleine nach Kirsternbosch, zu fahren. Er ist der botanische Garten, erstreckt sich als alter Wald über große Teile des Tafelbergs und ist mein Lieblingsort. Ich schlendere eine Weile durch den Park, bis ich mich ins Unterholz schleiche und es mir auf einem großen Baum am Bach gemütlich mache. Es ist für mich so schwer inne zu halten und den Moment zu genießen, ich vergesse es ständig. Dabei ist das Leben in der Gegenwart so viel reicher und schöner! Jeh bewusster ich im Moment lebe, umso länger, intensiver und ereignisreicher fühlt sich mein Leben an. Ich hoffe, dieses Gefühl immer mehr ausweiten zu können und irgendwann hauptsächlich mein Leben in bewusstsein zu verbringen. Daraus entsteht für mich kreativität und Schaffenskraft.
Meine Meditation auf dem Baum wird von lautem kreischen unterbrochen. Das Konzert scheint begonnen zu haben und die ersten Klänge schallen zu mir herüber. Jeden Sonntag im Sommer finden in Kirsternbosch große Konzerte nationaler und internationaler Bands statt, vor dieser atemberaubenden Kulisse der bewaldeten Berge. Heute spielt eine südafrikanische Band namens "Soil ", ihre Musik ist wundervoll und ich verlasse meinen Baum um sie aus der Nähe zu sehen. Nach einigem Suchen finde ich eine Stelle etwas Abseits der Menschenmenge. Ein einsamer Security Typ bewacht den Zaun. Wir kommen ins Gespräch, lachen. Nach einer Weile zwinkert er mir zu, entfernt sich ein paar Schritte und dreht mir den Rücken zu. Ich schlüpfe unter dem Zaun hindruch, der das Infield begrenzt, rufe ihm "Danke" zu und renne in die Menge. Die Stimmung ist phantastisch! Die Menge tanzt und swingt und jubelt. Die Musik ist wie gemacht für diesen Ort, der Wald und die Berge im Sonnenuntergang bilden eine malerische Kulisse. Und ichbin mitten drin!

Die Sonne verschwindet im Schatten der Schlucht und macht den Aufstieg endlich erträglich. Unter uns flimmert Kapstadt in der Hitze, wir haben uns den heißesten Tag der Woche ausgesucht. Neben uns grast eine Ziege mit ihrem Jungen, sie bewegen sich so mühelos über die Steine, als wäre dies eine Strandpromenade und nicht der Tafelberg. Der Pfad, den wir erklimmen verliert sich über uns in den Steinmassiven, ein guter Teil des Aufstiegs liegt noch vor uns.

Meine liebe Freundin Bine ist die erste Person aus Deutschland, die mich in meiner Heimat besucht und es ist wunderschön mit ihr. Ich bin sehr vorsichtig damit, Menschen hier her einzuladen, aber Bine habe ich wirklich sehr gerne hier und ich genieße es, ihr die Wunder meines Zuhauses zu zeigen. Wir besuchen companys Garden, kirstenbosch, die Longstreet, durchtanzen Nächte in Mama Africa, besuchen das  Aquarium, essen, reden, gehen spazieren und shoppen, machen Videos für die DF, besteigen den Tafelberg und gehen Paragliden. Jeder unserer Tage wäre einen eigenen Eintrag wert, aber ein bisschen gehört diese Zeit auch nur uns. Und tatsächlich freue ich mich sehr, dass es jetzt jemanden in Deutschland gibt, der mich so vollständig kennt. Einem Teil von mir kann man wohl nur in Südafrika begegnen.

Ich laufe die grüne Plane entlang, meine Füße verlassen den Boden undwir erheben uns in die Lüfte. In sanften kringeln fliegen wir den Signal Hill ein wenig auf und ab, bevor wir uns über die Stadt erheben. Mein Pilot drückt mir die Steuerseile in die Hände: "und jetzt du"


Und schon sind meine Wochen in Kapstadt wieder um, mein Leben in Deutschland ruft. Ich will nicht gehen. Doch ich weiß, dass Rouven am Flughafen auf mich warten wird und wir eine Beziehung beginnen. Und das ist noch viel aufregender, als alles was ich in den letzten Wochen erlebt habe!
Außerdem bin ich wie ein Zugvogel, jedes Jahr stellt sich ein Kompass in mir und zieht mich nach Hause. Und ich folge, immer!


I believe in miracles
'Cause it's a miracle I'm here
Guess you could call me spiritual
'Cause physical is fear
And it's safe to say the storms gone away
And I’m dancing on the morning after
Yes I'd love to stay, but my home's the other way
And I miss the love and laughter
Something like flying
Hard to describe it
My God, I'm breathing underwater
Something like freedom, freedom
My God, I'm breathing underwater
Every moon and every star
Knows who you are, you know
So ever if gets too dark
You never are alone
And it's safe to say we surrendered a day
To pay back all the love you borrowed
And hope that I had survived yesterday
And today is jealous of tomorrow
Something like flying
Hard to describe it
My God, I'm breathing underwater
(Something like freedom) Freedom, freedom
My God, I'm breathing underwater
Something like flying
Hard to describe it
My God, I'm breathing underwater
(Something like freedom) Like freedom, freedom
My God, I'm breathing underwater
Something like flying
Hard to describe it
My God, I'm breathing underwater
Something like freedom, freedom
My God, I'm breathing underwater
Something like freedom, freedom
My God, I'm breathing underwater

Breathing Underwater -Emelie Sande

Montag, 27. Februar 2017

Call You Home

Nach einer anstrengenden Nacht, dominiert von einer Klimaanlage die unseren Bus auf muckelige 17grad runterkühlte erreichen wir am frühen Morgen Port Elizabeth. Die Türen öffnen sich, ich entfliehe der Kühltruhe und über den Parkplatz kommt Mike auf mich zu und grinst mich an. Es ist jetzt vier Jahre her, dass wir uns genau an diesem Bus sehr tränenreich verabschiedet haben. Hätte ich damals gewusst, dass ich ihn so lange nicht sehen würde, wäre ich vermutlich nicht eingestiegen. Und jetzt liegen wir uns wieder in den Armen und es ist, als wäre unser Abschied nur eine Woche her. Er duftet wie damals, so vertraut.

Mikes Familie nimmt mich wahnsinnig herzlich bei sich auf, wie auch damals schon. Sogar seine Omi erinnert sich noch an mich und begrüßt mich besonders begeistert. Wir verbringen die Tage sehr entspannt mit Spaziergängen, seine Hündin Patches kuscheln, Ausflügen, kochen, ich mache mal wieder ein bisschen Makramee und die Entspannung tut sehr gut!
Ganz in der Nähe gibt es einen Löwenpark in dem die Tiere nicht gezüchtet, sondern nur aus Zoos und von Privatpersonen gerettet werden um hier ein artgerechtes Leben zu verbringen. Auf dem Weg fährt man durch einen Gamepark mit unterschiedlichsten Tieren. Wir müssen eine viertel Stunde warten, da eine Giraffe mitten auf der Straße steht und nicht vor hat, sich in absehbarer Zeit von dort weg zu bewegen, ich taufe sie Sven. Nachdem wir uns irgendwann mit Mühe und Not an Sven vorbeigequetscht haben, platz zu machen hielt er selbst dann noch für überflüssig, als unser Außenspiegel beinahe sein Vorderbein schrammt, gelangen wir zu den Preditorgehegen. Außer Löwen gibt es noch mehrere Tiger, einen Panther, einen Puma, einen Leoparden und Servale. Die Tiere sehen gesund und zufrieden aus und die Gehege sind groß und bieten Abwechslung. Es freut mich, einen solchen Ort zu sehen, den ich wirklich unterstützen kann.
Mike und ich sind leicht distanziert. Zum Einen muss man sich nach vier Jahren doch wieder etwas kennen lernen (obwohl es für mich eigentlich nur die Bestätigung gibt, dass ich noch genau weiß, wer er ist), zum Anderen ist der Hauptgrund für unsere lange Trennung seine sehr eifersüchtige Exfreundin und so ist Mike nun darauf bedacht, seiner neuen Freundin keinen Anlass für ähnliches Verhalten zu geben. Aber jetzt habe ich die Gewissheit: nichts wird uns trennen, weder Beziehungspartnert, noch Jahre, noch die Entfernung auf die andere Seite der Welt.

Wir blicken uns tief in die Augen, das einzige, was uns trennt sind knappe 2 Meter und ein dünner Maschendrahtzaun. Einen Moment steht die Welt still, dann gähnt der Löwe ausgiebig und fährt fort seine Pranke zu putzen, sie ist so groß wie mein Kopf. Ich beobachte ihn in diesem faszinierend katzenhaften Moment. Er hält wieder Inne, blickt mich eine Weile an und beginnt dann tief und grollend zu schnurren. Ich stimme ein.

Ich denke zur Zeit viel über Identität im Bezug auf Nationalität nach, denn die meist gestellte Frage der letzten Wochen ist: "where are you from". Wahrheitsgemäß muss ich darauf " from Germany " antworten, doch das fühlt sich falsch an, nicht wie die Wahrheit. Die Wahrheit ist: ich sehe nicht deutsch aus, ich denke nicht sehr deutsch, ich verhalte mich nicht deutsch und ich habe nicht mal mehr einen deutsdchen Akzent. Deutsche zu sein gehört absolut nicht zu meinem Identitätsgefühl. Hamburgerin zu sein vielleicht ein bisschen. Ich wäre gerne Südafrikanerin, ich möchte kein Fremdkörper mehr sein an meinem Sehnsuchtsort, in diesem Land in dem ich mich so zuhause und verwurzelt fühle wie nirgendwo sonst, hier wo so viele Freunde und Herzensfamilie leben, wo mir alles so vertraut ist und ich 100% authentisch sein kann, ohne jede Anstrengung. Das ist für mich identitätsstiftend. Und dennoch habe ich das Gefühl, eine offizielle Berechtigung dafür zu brauchen, mich hier heimisch zu fühlen, verwandte, beziehung, arbeit, irgrendetwas. Ich habe Angst, dass die Menschen denken, ich hätte mich halt in ein Urlaubsziel verliebt, in eine realitätsferne Parallelwelt. Aber ich habe hier gelebt, gearbeitet, bin autogrfahren, habe meinen Alltag gestaltet, mir ein Netzwerk aus Freunden und Familie aufgebaut, mich politisch in den unterschiedlichsten Facetten mit diesem Land konfrontiert, Höhen und Tiefen erlebt, Gefahren überstanden und mich sehr maßgeblich zu der Frau entwickelt, die ich heute bin. Deshalb bin ich mindestens 50% Südafrikanerin! Und ist nicht vielleicht dies die Art, wie Nationalität aussehen sollte?

"You got those eyes, stare into my soul
You get that smile when I’m giving you my all
You’re the brighter side of things
You’re the lighter side of life
And all the joy that you bring is why I need you in my life

But can I call you home?
You’ll be mine and I’ll be yours
I just wanna let you know
In my mind I call you home
In my mind I call you home

The only thing I ever knew is that I never know
I’ve had my time in the sun and now I gotta go
You’re the brighter side of things
You’re the lighter side of life
And all the joy that you bring is why I need you in my life

But can I call you home?
You’ll be mine and I’ll be yours
I just wanna let you know
In my mind I call you home

But can I call you home?
You’ll be mine and I’ll be yours
I just wanna let you know
In my mind I call you home

And now, can I call you home?
You’ll be mine and I’ll be yours
I just wanna let you know
In my mind I call you home

In my mind I call you home
In my mind I call you home"

Kelvin Jones- Call You Home

Samstag, 18. Februar 2017

Alive!!

Die Wellen brechen über uns zusammen. Ihre Kraft ist majestätisch und gefährlich zugleich. Wir jauchzen als die nächste Welle uns in die Höhe hebt. Das salzige Wasser umspielt unsere nackten Körper und Liane taucht elegant in die nahende Schaumkrone. Das ist Freiheit.

Ich bin zum ersten Mal in der Gegend um Durban und unverhofft im Paradies gelandet. Tara, eine absolut bezaubernde Frau, die ich in meinen ersten Tagen im Sunflower kennen lernen durfte, hat mich ins "Mantis and Moon" eingeladen, ein Backpackers in Umzumbe, in dem sie arbeitet. Das Mantis liegt in einem kleinen Dschungel direkt am Strand. Zwischen die Bäume und teils auch in die Kronen sind Holzhütten gebaut, eine Bar, Duschen, ein verglastes Büro, ein Pool, eine Küche und als absolutes Highlight ein sechseckiger, vollständig verglaster und mit Holzdielen ausgelegter Yogaraum, alles verbunden durch hölzerne Stege, alles ist bunt bemalt und liebevoll gestaltet. Es ist wie ein Leben im Tropenkaffee, in dem ich früher mit meiner Mama oft war. Der Hibiskus steht in voller Blüte und gelegentlich kommen Äffchen auf die Dächer der Hütten geklettert.
Und nicht nur der Ort ist bezaubernd sondern auch die Menschen die hier arbeiten. Ich freunde mich mit Liane an und wir verbringen drei absolut perfekte Tage miteinander, voller Glück, tiefer Gespräche und Abenteuer!

Wir erreichen die Hügelkuppe und vor uns entfaltet sich ein berauschender Anblick. Die Hügel und Täler um uns sind dicht bewachsen mit Dschungel und Zuckerrohrfeldern, ein Grün, welches ich so lebendig selten gesehen habe. Riegel unter mir schnaubt zufrieden. Ich habe seine Prüfung bestanden und so trägt mich der braune Wallach jetzt flüssig und entspannt durch die Landschaft. Von ihrem hübschen roten Araberfuchs strahlt mich Caron neben mir an. Uns umweht ein warmer Wind der sacht die Hitze des ermüdenden Tages durch die Täler trägt. Es duftet nach Frieden und Glück. Ich fühle mich gesegnet.

Nach meinen eher schwierigen Erfahrungen letztes Jahr, war es wunderschön, diesen Stall zu  besuchen! Der Inhaber Chris ist professioneller Dressurreiter und Show Springer, seine 5 Pferde sind gut ausgebildet, liebenswert, feinfühlig, sehr nervenstark und wundervoll Geländesicher. Es ist wahnsinnig schön zu sehen, dass Touriustenreiten auch so Pferdegerecht aussehen kann und auch Liane, die gar keine Reiterfahrung hat, fühlt sich sicher und genießt.

"I am not gonna do that!" der Instructor hinter mir lacht und fängt an herunterzuzählen "three" "i am certainly not gonna jump down there!" "two" unter mir klafft der Abgrund "one", er lässt mich los und ich falle, vorbei an Gesteinsmassiven und dem Wasserfall auf den Dschungel unter mir zu. Es rauscht, ich breite die Arme aus, ich fliege " i am Alive!". Und bevor ich den Baumwipfeln zu nahe komme, wird mein Fall durch Sicherheitsleinen sanft gestoppt und ich schwinge frei über der Schlucht! Vor Erleichterung und Glück fange ich an heftig zu weinen und zu lachen.

Ich bin sehr beeindruckt, wie ruhig ich war. Den Tag vorher, auf dem Weg zur Klippe, selbst als ich schon in die Tiefe blicke, bin ich ganz ruhig und gefasst. Erst als ich auf dem rot markierten Absprungspunkt stehe, erfüllt mich ein simpler Gedanke: das mach ich nicht.
Die ersten zwei Sekunden des Fallens sind aus meinem Kopf verschwunden. Danach ist die Erinnerung wie in Blitzlichtern. Ich sehe mich fallen, aber als würde ich von außen schauen, dann drehe ich mich in der Luft und mein Fall wird sanft gestoppt. Mein liebster Moment aber ist der des Hochgezogenwerdens. Das Schweben über der Schlucht, die Felsen und der Wasserfall ziehen an einem vorbei, diese Natur ist atemberaubend schön!

Ich habe mich immer gegen das "Shark Cage diving" geweigert, das überall in Cape Town angeboten wird. Man ist in den Käfig eingesperrt, die Haie werden näher an die Küste gelockt und als Kampfmaschinen dargestellt. Vor allem für die Haie ist das auf Dauer gefährlich.
Aber hier in Port Shepston kann man mit ihnen schnorcheln gehen, ohne Käfig und sie in ihrer ganzen Schönheit genießen. Dies ist sehr ungefährlich denn wir stehen, so die bestechende Logik der Betreiber, nicht auf der Speisekarte der Black Tips. Sie essen Sardinen und es gibt einfach keine Chance das ein Mensch, nicht mal ein kleiner, wie ein 20cm Fisch aussieht.

Unser Motorboot fegt über das Meer, mit jeder neuen Welle springt das Boot etwas und salziges Wasser hüllt mich ein. Nach einer Weile taucht eine Linie im Ozean auf. Das trübe Wasser, welches die starken Regenfällen aus dem Fluss ins Meer gespült hat vermischt sich nicht mit dem Salzwasser des Indiks, stattdessen fließen die Gewässer wie durch Glas getrennt aneinander vorbei. Und so ist das Wasser plötzlich tief blau und kristallklar. Nach einigen Minuten stoppt das Boot und da tauchen sie schon auf. Die ersten sichelförmigen Rückenflossen zerschneiden das Wasser. Ich zähle 8. Meine Flossen und die Taucherbrille sitzen und so lasse ich mich zu den missverstanden Schönheiten ins Wasser gleiten. Um mich und unter mir wimmeln etwa 20 Blacktip Sharks, beäugen mich skeptisch,  kommen näher berühren mich mit Nase und Rückenflosse. Ihre goldenen Augen läuchten durch das tiefe Blau und ihr geschmeidigen Körper bewegen sich kraftvoll und elegant durch die Tiefen. Verzaubert von ihrem Anblick lasse ich mich über die Wogen treiben.

"Hot like the sun
Wet like the rain
Green like the leaves
Life is a game

Stars in my head
Shine Moon shine
Everything's cool
And I feel fine!

Can you touch
the root that feeds us?
Can you hear
the words that I say?
Can you feel
the music move you?
Can you feel alive today?"

Omnia-Alive!

Mittwoch, 15. Februar 2017

Rania in Wonderland

Katherina und ich blicken auf den lebensgroßen Metallhasen, der auf dem Koffer zwischen uns sitzt. Er ist kunstvoll aus silbernem Draht geflochten und kleine LEDs sind eingearbeitet, so, dass er blau leuchtet, wenn man ihn einschaltet. "It seemed like a good idea when I bought it", sagt sie, wir lachen beide. Mit dem Hasen unter dem Arm reihe ich mich in die Schlange der Menschen ein, die in den Bus steigen. Katherina neben mir wie immer eine Mischung aus Professor Trelawny und Loona lovegood- ich habe mich noch nie mehr wie Alice gefühlt.

Mein Abenteur in der Kalahari war großartig! Zur Zeit ist die Wüste so grün wie noch nie. Katherina und ich fahren allein, für Gert ist die Intensität so einer Zeit zu viel. Ich finde das verständlich und auch in Ordnung, dass er sich abgrenzt.
Ein Problem, dass ich noch nicht hatte, als ich in Beziehungen war ist, dass ich plötzlich nicht mehr wirklich mit Männern befreundet sein kann. Früher oder später verwickeln sich immer Gefühle oder  zumindest Verlangen in die Sache. Das liegt glaube ich daran, dass Männer nur mit Frauen befreundet sind, die sie irgendwie attraktiv finden, aber diese Theorie prüfe ich noch.

Die schier endlose Straße führt schnurgerade durch die Dünen und verliert sich am Horizont. Gräser und gedrungene Bäume rauschen an uns vorbei. Die Plastikverschalung der Armatur ist durch die Sonne aufgesprungen, die heiße Wüstenluft dringt durch die geöffneten Fenster herein.

Katherina stellt mir ihre Freunde die Bushman vor. Sie leben immernoch in grashütten, allerdings mit Kühlschrank, Ventilatoren und Fernseher. Und doch wissen sie noch, welche Pflanzen bei was helfen, wie man mit Pfeil und Bogen jagd und Knochenkunstwerke herstellt. Es ist schwer, gefangen in der westlichen Kultur diese alten Bräuche aufrecht zu erhalten.
Wir übernachten in einer Sencturary für Erdmännchen, geführt von einer Engländerin die 30 Jahre in Deutschland als Professorin für animal behaviour gearbeitet hat. Sie kennt jedes einzelne Erdmännchen beim Namen und kann sie sogar von weitem von einander unterscheiden. Das Reservat ist groß und beherbergt neben den Erdmännchen unterschiedlichste Tierarten, unter anderem ein Gemsbockpaar, welches uns bei unserem Morgernspaziergang sogar recht nahe kommt.

Die Wüste ist vom Vollmond hell erleuchtet. In der Ferne hört man Gemsbock kämpfen. Ein sachter Wind zerstreut die Hitze des Tages ein weniug. Zur Musik in meinem Kopf tanze ich durch den Sand.

Sonntag, 29. Januar 2017

Love you always forever

Jetzt habe ich schon fast ein Jahr nichts mehr geschrieben, aber das Leben ist einfach passiert.
Ich habe grade das 2. Semester Kostümdesign abgeschlossen und es ist genau das was ich machen möchte! Wenn ich sage: ich mache viel für die Uni, bedeutet das, ich habe mich mit Kirschen und Hörbüchern auf meinem Balkon an die Staffelei gesetzt und vier Stunden gezeichnet. Dieses Studium ist wirklich großartig!
Auch habe ich mein erstes Ausbildungsjahr in Gestalttherapie abgeschlossen, bin also auch diesem großen Ziel einen Schritt näher gerückt!
Ich glaube, ich habe in vielen Bereichen große Fortschritte gemacht. Ich bin immer mehr bei mir und schaffe es häufig, ganz ich zu sein, ich öffne mich Menschen immer mehr und schaffe es gleichsam meine gesunden Grenzen zu wahren. Außerdem weiß ich wirklich gut, was ich will und ein Teil meiner Seele ist endlich in meinem echten Alter angekommen! Jetzt muss ich nur noch versuchen, sie mit der alten Frau in mir unter einen Hut zu bringen, hoffentlich gelingt es mir!

Aber nun hat mein neues Afrika Abenteuer wieder begonnen. Und wie immer fällt alles an seinen Ort.
Zwei entscheidende Dinge sind dieses Mal anders: zum einen habe ich keine festen Pläne. Ich arbeite nicht, ich habe nichts geplant oder gebucht, ich lasse mein Leben passieren. Und zum Zweiten: ich bin auch schon in Deutschland ganz ich! Ich nehme ein ganz anderes Selbstbewusstsein mit nach Afrika und ich nehme es auch wieder mit zurück.
Ich bin hergekommen mit einem tiefen Gefühl von "Mama Afrika sorgt für mich" und was soll ich sagen, das tut sie! Ich fühle mich wohl, sicher, behütet und wundervolle Dinge passieren!

Ich sitze eingerahmt von zwei wunderbaren Ladies im Flieger. Unsere 777 gewinnt an Geschwindigkeit, die Räder lösen sich vom Asphalt und wir lassen Hamburg hinter uns. Heike ist unterwegs nach Bangkok und wird von dort Thailand bereisen, Karin blickt auf 3 Monate in Neuseeland, beide haben ihre Familien Phasen längst hinter sich und genießen, wie ich, die Freiheit des alleine Reisens. Wir reden über Yoga, Politik, Vergangenes und das was vor uns liegt.

Es ist verrückt, wenn ich in Hamburg ankomme, selbst wenn ich nur ein Wochenende in Berlin war, brauche ich oft Tage um mich wieder richtig zu akklimatisieren, hier in Kapstadt fühle ich mich zuhause und vertraut, sobald das Flugzeug die Landebahn berührt. Mein Taxifahrer ist großartig. Nachdem ich den Preis auf ein realistisches Maß runtergehandelt habe, diskutierten wir über südafrikanische Kultur und Politik. Das Thema kommt auf Trump. Er lacht und sagt: "atleast we are not the only ones with a dumb president anymore!"
Das sunflower stop ist vertraut wie eh und jeh, es ist, als wäre ich nur eine Woche weg gewesen, Dan begrüßt mich strahlend und wir vollführen einen "lea's back in town"-Tanz.
Und kaum bin ich da, kommt auch Mark vorbei. Es ist gut ihn zu sehen, wir Sprechen viel und klar und ich merke wieder wie viel ich im letzten Jahr erwachsen geworden bin.
Mein erster Tag klingt tanzend mit Cory, John  und zwei bezaubernden Russinnen im Dubliner aus, mit Cory und Tara, die ich beide im Sunflower getroffen habe, wird es am nächsten Tag zu den Pinguinen nach Simons Town gehen. Meine Cape Town Magic passiert!

Ich betrete das warme helle Klassenzimmer. Debbie blickt von ihren Unterlagen auf und strahlt mich an. " it is as if you've never left! " wir umarmen uns und setzen uns raus in den Schatten, es gibt viel zu erzählen. Ein Schüler aus Spanien kommt auf uns zu: "Debbie, is it a friend of yours? " "No, that's my daughter."

Und jetzt, sitze ich in der Hitze Upingtons, wir sind nahe der Wüste, das merkt man hier. Gert und seine Mutter haben mich für eine Woche zu sich eingeladen um mir die Wüste zu ziegen und die bushman vorzustellen. Gleich brechen wir in ein neues Abenteuer auf, das Kalahari Desert heißt!!

Die Blitze zucken vom Himmel und erhellen kurz die Wildnis um uns herum, sie hinterlassen lilane Spuren am Nachthimmel. Die Luft ist schwanger von einem unvergesslichen Gewitterduft! Gert und ich lachen extatisch bei jedem neuen Blitz, der Wind um uns frischt auf und wir rücken auf seinem Autodach näher zusammen. "It is our Storm!"

Montag, 29. Februar 2016

The Sun

Als ich das erste mal auf der Heimreise in Dubai gelandet bin, habe ich viel geweint. Ich wollte dieses verzauberte Land auf keinen Fall verlassen und genau so wenig, wollte ich nach Deutschland zurück.
Heute habe ich wieder geweint, diesmal allerdings voll überwältigender Dankbarkeit und Glück, wie wundervoll mein Leben gerade ist!!
Ich habe im letzten Jahr mit meinen Beziehungmustern gebrochen, mich meinen Dämonen gestellt, suizidgedanken und eine ptsd überwunden, bin dreimal umgezogen und tatsächlich ein ganzes Jahr sehr glücklich single geblieben, habe meinen Führerschein gemacht, mein inneres Kind großgezogen, mir die Augen lasern lassen, meine Insulintherapie umgestellt, bin für mein Studium und als jüngste Teilnehmerin jemals  in unserem Institut auch für die berufsbegleitende Ausbildung in Gestalttherapie zugelassen und habe nebenher noch meinen Lebensunterhalt verdient.
Und jetzt sitze ich hier, in Dubai, und blicke auf all das wunderbare, was jetzt ist! In denke an meine unglaublich wundervolle Cape Town /Diep River/ fishhoek-Familie, an Maris Abschiedsworte, die ich tief im Herzen bewahre: "you may be gone in space and time but not in our heads and hearts". Ich denke an Mark und das Abenteuer, das vor uns liegt. Ich denke auch daran, dass ich noch nie so viel mit meinen Eltern geschrieben habe, wenn ich in Afrika war und wie schön ich diesen Kontakt fand, an meine beiden Mitbewohner, die so wundervoll sind, dass ich es kaum beschreiben kann, und wie sie morgen am Flughafen stehen und wir uns in den Armen liegen. Ich spüre wie aufgeregt ich bin, endlich mit dem Studium beginnen zu dürfen und das zu lernen worauf ich mich so freue! Ich habe das Gefühl, endlich meinen Platz gefunden zu haben, mit meinen Wurzeln in Südafrika und meinem Leben in Deutschland.
Und jetzt, nach so langer Zeit, fängt das Leben endlich an!!

"Hop back to my heart
The only place I feel alone
I need the foreign soil

Sun rising under my feet
These kids are out here
They are my family

Now I'm gonna tell my momma
That I'm a traveller
I'm gonna follow the sun

Now I'm gonna tell my momma
That I'm a traveller
I'm gonna follow the sun"

Parov Stelar - The Sun

Freitag, 15. Januar 2016

The art of live

Der Horizont glüht und langsam taucht Dubai aus der Dunkelheit auf. Es leuchtet durch die Nacht wie ein lebendiges atmendes Wesen. "Beautiful Cancer" wie Gert es bei unserer ersten Begegnung treffend formulierte. Und ja, das ist die Menschheit wohl.
Als wir den Flieger verlassen ist es sehr warm. Hinter mir geht eine Frau, sie muss in den siebzigern sein. Ich spreche sie auf ihr Alter und ihre weite Reise an. Sie erzählt, sie mache das regelmäßig, das hielte einen jung. Wir haben eine wunderbare Unterhaltung, während wir an der Passkontrolle warten. Zum Abschied schenkt sie mir ein Pfefferminzdöschen, auf dem steht:

"Die Kunst des Lebens besteht darin, zu lernen, im Regen zu tanzen, anstatt auf die Sonne zu warten."

Ich sitze im sunflower stop. Es ist Zuhause. Langsam stellt sich das vertraute Gefühl wieder ein. Und es ist, wie immer, gegensätzlich und traumhaft schön.

It is not about surviving anymore.

Die politisch verschärfte Situation ist allerdings nicht zu übersehen, die hart erkämpfte Vereinigung der Hautfarben scheint wieder auseinanderzudriften. Ich unterhalte mich viel über Politik mit den verschiedensten Leuten um einen besseren Einblick zu bekommen.
Es ist so traurig zu sehen, dass ein Land, dessen Zauber in der Natur und der Kultur liegt, diesen Schatz über all dem Hass zu vergessen scheint.
Debbie sagt, es fällt mir zum Teil auch einfach mehr auf, das würde zum Reifen dazugehören. Da hat sie sicher Recht und es freut mich, zu sehen, dass ich soetwas wie jugendlichen Leichtsinn hatte.

Meine Zeit auf dem Hof ist um und ich bin froh darüber. Die Gegend um Noordhoek ist bezaubernd schön, Wald grenzt an die typische Cape Coast, es ist phantastisch. Es gibt viele Pferde, große Anwesen und gemeinschaftsbewusste Menschen.
Der Stall in dem ich arbeite ist schön und dir Menschen dort absolut liebenswert. Auf den zweiten Blick geht es den Pferden allerdings nicht gut. Abgesehen davon, dass sie ein kleines bisschen dünn sind, leiden viele, wenn nicht die meisten unter Strahlfäule, Satteldruck und Augeninfektionen. Dass sie anfangen zu beißen, zu treten und zu buckeln finde ich nicht überraschend. Außerdem sind viele schreckhaft und durch den häufigen Reiterwechsel merklich aus dem Gleichgewicht gebracht. Unter diesen Umständen auch noch komplett unerfahrene Touristen auf ihre Rücken zu setzen und diese an den Strand zu schicken ist ein wahrlich gefährliches Unterfangen.
Die Besitzerin des ganzen ist eine freundliche und herzliche Person und begann Reitunterricht zu geben, als sie 11 Jahre alt war. Ich vermute also, wie so oft ist aus der Liebe ein Geschäft geworden und die Pferde selbst sind nicht mehr Priorität. Die beiden Reitlehrerinnen versuchen was geht, aber in vielen Bereichen ist ihr Einfluss begrenzt.
Ich habe hier eine sehr spannende Pferdetrainerin aus Süddeutschland getroffen, mit ihrer Hilfe konnten wir ein bisschen was bewegen, ich habe riesig viel von ihr gelernt und sie hat mir einen Praktikumsplatz auf ihrem Hof angeboten!
So möchte ich auch diese Erfahrung absolut nicht missen!

Dienstag, 29. Dezember 2015

Survivor

Ich glaube, es ist sehr passend, dass ich gerade "Life of Pi" lese. Es berührt mich, es erfreut mich, es hinterfragt mich und ich hinterfrage es, es holt mich in der Religion ab und manchmal ist es mir zu viel und macht mich so traurig, dass ich kaum weiterlesen kann.
Und ich fühle mich wie Pi, der nach all dieser Zeit auf See endlich strandet und zurück blickt, auf all das was hinter ihm liegt und was unglaublich, kaum zu ertragen und gleichzeitig nicht weg zu denken ist.
Man sagt, das Leben verläuft in Siebenerabschnitten und ich habe diese letzten sieben Jahre tatsächlich überlebt. Dieses Letzte war in seiner Schrecklichkeit und Wichtigkeit die Krönung dieses Abschnittes. Ich habe nie mehr Todesangst und Todessehnsucht erlitten habe meine Seele in Einzelteile zerfetzt und neu zusammengefügt, immer wieder. Habe der Müdigkeit und dem Drang wiederstanden, diesen unmenschlichen Schmerz nicht mehr ertragen zu müssen. Und ich habe es geschafft.
Und in wenigen Tagen endet dieses Jahr und diese Sieben gleich dazu, ich werde 21, und die Neuen können kommen, die neuen Sieben, in denen ich die Früchte dieser Anstrengung ernten und hoffentlich den endlich richtigen Weg genießen darf.

Und ich liege am Strand, ich bin noch nass und atemlos, ich blicke aufs Meer, auf den Schrecken und die Not und die Schönheit. Und langsam verblasst alles in Erinnerung und der neue Tag bricht an, das neue Leben.

"I'm a survivor
I'm not gon' give up
I'm not gon' stop
I'm gon work harder
I'm a survivor
I'm gonna make it
I will survive
Keep on survivin'

Thought I couldn't breathe without, I'm inhaling
You thought I couldn't see without you, perfect vision
You thought I couldn't last without you, but I'm lastin'
You thought that I would die without you, but I'm livin'
Thought that I would fail without you, but I'm on top
Thought it would be over by now, but it won't stop
Thought that I would self destruct, but I'm still here
Even in my years to come, I'm still gonna be here

I'm a survivor
I'm not gon' give up
I'm not gon' stop
I'm gon' work harder
I'm a survivor
I'm gonna make it
I will survive
Keep on survivin' 

After all of the darkness and sadness
Still comes happiness
If I surround myself with positive things
I'll gain prosperity

I'm a survivor
I'm not gon' give up
I'm not gon' stop
I'm gon' work harder
I'm a survivor
I'm gonna make it
I will survive
Keep on survivin'  "

Destiny's Child- Survivor

Donnerstag, 10. September 2015

Survival of the fittest

Der erste Moucin singt zum Tagesanbruch, auf den umliegenden Hügeln stimmen die Esel, Hunde und Hähne mit ein. Das Tal ist noch dunkel, nur der Mond erleuchtet hell die Szenerie. Wir stehen und lauschen.
Es ist eine eher menschenfeindliche Einöde, verdorrte Diesteln, Kletten und Kakteen bevölkern die rote Erde. Die Menschen hier in den Bergen müssen sich anpassen, mit am wichtigsten dafür sind die Esel. Jede Familie hat ein bis zwei erzählt Maria, die Tochter unserer wunderbaren Gastgeberin Jane. Man reitet mit ihnen einkaufen, zur Schule und zur Arbeit, bis 100 Kilo tragen manche, was angesichts der mageren Knochen noch beeindruckender ist.
Die Ameisen hier sind eine ganz besonderes Phänomen. In großen Kolonien bevölkern die "sattelbaren" Kolosse vor allem unsere Toilette, deren Benutzung durch die drei Minuten Wanderung über das Grundstück insbesondere Nachts schon ein Abenteuer für sich darstellt.
"WHO the fuck is Ralf und warum hasst ihr ihn so?" Nun, Ralfse wie Rebekka sie liebevoll getauft hat sind all die kleinen und großen Arten von pieksigen Kletten, welche die hier überlebenden Sträucher zur Verbreitung an alles anhaften, was ihre Dornen greifen können.
Marv blickt auf ein Fliegefiech, welches sich auf unserem Essen niedergelassen hat. "Endlich etwas was uns nicht pieksen will oder Ralf ist!"
Dennoch birgt die rauhe, wilde Landschaft eine beeindruckende und bewegende Schönheit die in mir tiefe Ehrfurcht hervorruft. Es ist gut für mich, all meine Erfolge der letzten Monate hier auf die Probe zu stellen. Es kostet noch einige Mühe mich in einer komplett unbekannten Umgebung, in einer mir ganz neuen Gruppenzusammenstellung unter recht erschwerten  Wohnbedingungen an meine Grenzen und Bedürfnisse zu erinnern und die Anspannung der letzten Wochen etwas von mir abfallen zu lassen.
Darauf zu vertrauen, das unsere Wohnung während meiner Abwesenheit einen bewohnbaren Zustand annimmt, kostet mich einige Überwindung. Erst als ich mich heute auf den Rücken unsres Esels Jamaika schwinge und mich von ihren bewundernswert starken Beinen Richtung Fluss tragen lasse, gelingt es mir ein wenig.

Die riesige Spinne, welche in unserem Gemeinschaftszelt wohnt ist grade wutschnaubend in Erholungsurlaub gefahren, da wir ihr schon seit drei Nächten den schlaf klauen. Eigentlich mag sie unsere plüschigkeit, doch auch der flausch hat seine Grenzen.

Gemütlich schaukeln Jamaika und ich am Fluss entlang. Die alten knorrigen Olivenbäume malen Sonnenflecken aufs Ufer, eine briese durchstreift ihr Blätter und trägt ein wenig die Hitze fort. Das Wasser neben uns mäandert lebensspendend zwischen den Feldern hindurch Richtung Ousoudt.

Montag, 1. Dezember 2014

Bag Raiders - Way back Home

Hallo ihr Lieben. Unglaublich, endlich ist es so weit, es geht zurück nach Hause.

Wir sitzen am Flughafen in Dubai. Um uns herum tost die Geschäftigkeit der Reisenden. Ich fühle mich mal wieder als Teil eines Ameisenhaufens. Jakob neben mir staunt genau so wie ich und drückt aufgeregt meine Hand.

Ich kann mich noch genau an das letzte Mal erinnern, als ich diesen Wegen gefolgt bin und mit jedem Schritt, den wir beide jetzt tun, beginnt der Zauber der vergangenen Erfahrung neu in mir zu klingen, durch mich zu vibrieren und vermischt sich mit den neuen Eindrücken, dem neuen Abenteuer das wir jetzt gemeinsam bestreiten dürfen.

Ich habe Angst. Große Angst. Angst, dass ich mich nicht wiederfinde, in meiner so schmerzlich vermissten Heimat, dass die Lea, die ich vor einem Jahr im Paradies zurück lassen musste, nicht gewertet hat, sondern weiter gezogen ist. Auch deshalb bin ich wahnsinnig froh, Jakob neben mir zu wissen. Zu spüren wie er meine Hand hält, mir beruhigend den Nacken krault und mit einem einfachen lächeln die Angst nimmt tut wahnsinnig gut!

"Rain pours down over a city
Night has fallen like a stone
Are you gone or are you with me?
In my heart I'll never know

If I close my eyes I'll see you
Hear your footsteps in the rain
In my dream I'll never find you
but I'll hear you call my name

Ooooooooh
Ooooooooooooooohhh

As I tread through crowds of people
Trying to keep from looking back
Got your sense on something passing
And it sends me off my track

Do I find you will I follow
To forever and a day
I can feel you in the distance
But you seem so far away

What if I just can't find my way back home (ooh)
What about all the things I just don't know (ooh)
What if I just can't find my way back home (ooh)
Would you be there to show me where to go (ooh)"
Bag Raiders- Way back Home

Ich sitze in unserem kleinen, freundlich gelb gestrichenen Zimmer mit den hohen Stuckdecken. Trotz des üblichen weltreiseneden Abenteurerflairs hat das Big Blue Backpackers, in dem wir uns gerade befinden, den fast hoheitlichen Touch einer etwas älteren Hamburger Stadtvilla. Von draußen weht ein Hauch kühler Luft herein. Der Tag war warm und der kleine rote Kater hat sich auf dem Dach vor unserem Fenster auf dem warmen Blech geräkelt. Jakob ist mit dem Kopf auf meinem Bein eingeschlafen, er atmet ganz ruhig. Ich bin so wahnsinnig froh, dass er hier bei mir ist. Die ersten Stunden nach der Landung waren furchtbar. Ich bin ein Jahr lang vor Heimweh zerflossen, doch der Gedanke daran, an einem Ort in der Welt wirklich wahrhaftig, echt und Zuhause zu sein birgt eine große Hoffnung. Und die ersten Stunden war die Angst, eben jene zu verlieren überwältigend.

Wir gehen von der Waterfront zurück zum Backpackers. Die Abendsonne zaubert goldene Muster auf den Signal Hill und die Eukalyptusbäume vor uns singen im South-Easter, der den Sommer bringt. Und genau hier mit dem ersten Eis dieses Dezembers und Jakob an der Hand, bin ich endlich wieder zu Hause.

Donnerstag, 6. März 2014

I don't speak human

Ich bin seit zwei Monaten zurück. Heute sind es sogar genau zwei Monate. Oder bin ich nie wirklich zurück gekehrt? Die ganze Zeit überlege ich, was ich schreiben soll. Worüber schreibt man, wenn die Welt um einen zerfällt, wenn man der Fremdkörper in seinem eigenen Leben ist? Menschen wollen glückliche Dinge hören, voller Freude und Euphorie. Doch dieser Teil meiner Geschichte ist nicht so. Er ist nicht tragisch, nicht groß schrecklich und dennoch untermalt von einem Schmerz, den wohl viele Menschen kennen, getragen von einem Gefühl in der falschen Welt zu sein, am falschen Ort, im falschen Leben. Es ist eine zerrissene Zeit. Denn dieses wundervolle Universum schenkt mir auch hier so beeindruckende und unglaubliche Menschen, dass ich aus Freude darüber, sie um mich zu haben schon lachend im Kreis springen könnte. Sie nehmen mich wieder auf, schenken mir einen sicheren Ort, Liebe und Zuneigung, Freundschaft und Mitgefühl. Doch trotz dieser außergewöhnlichen Gefühle lässt die Sehnsucht nicht nach, nach einem Ort an dem ich mein inneres Zuhause gefunden habe, wo ich hingehöre. Meine Mama geht schon davon aus, dass ich, wenn ich gehe, nie wieder komme. Da hat sie wohl recht. Aber ich fühle mich schrecklich schuldig, meine Lieben hier ständig mit meiner Traurigkeit zu belasten. Sie müssen manchmal denken, sie seien nicht gut genug für mich, oder mir einfach nicht genug. Das tut mir so unendlich leid, weil ich nicht in der Lage bin, ihnen ein besseres Gefühl von dem zu vermitteln, was sie mir bedeuten. Dabei ist es so viel mehr, als ich sagen kann.
Dieses Leben, diese Stadt, dieses Land kann unglaublich schön sein, grade jetzt wo der Frühling kommt und das würde ich nie bestreiten. Nur für mich ist es falsch, ich gehöre hier einfach nicht hin. Das soll aber keine Abwertung gegenüber all diesem hier darstellen, es ist lediglich mein Gefühl, angekommen zu sein, in einem anderen Land.

Ich gehe mit dem Bären durch den Wald. Die Sonne wärmt uns den Pelz und wir lachen über Belangloses. Die Natur erwacht, wie auch mein Bär, aus ihrem Winterschlaf und ich erzähle von dem warmen Sommer, den ich gerade verlassen habe. Das Leben ist leicht in diesen Momenten.

Den ganzen Tag über habe ich Flashbacks von den Situationen, Personen und Orten in Südafrika. Einerseits ist das etwas unglaublich Kraftgebendes, als ob ein warmes Licht in mir brennt, dass mich daran erinnert, wo ich hin will und wo ich so grenzenlos glücklich war. Andrerseits bringen diese Erinnerungen auch den Schmerz, die Erkenntnis, wie weit weg dieser Traum wieder ist, auf der anderen Seite der Welt.

Verzweifelt versuche ich die Dinge, die ich in Afrika gelernt habe in mein Leben hier zu übertragen, aber es fällt mir schwer. Ich versuche oft spazieren zu gehen, manchmal allein um wenigstens ein bisschen das Gefühl der Zugehörigkeit wieder zu spüren und es hilft. Ich bin viel fröhlich, was mich trägt, es vereinfacht das Leben und mit der Sonne zu strahlen ist schön. Das ist, als würde mir die Natur helfen die Stimmung um mich her ein wenig aufzuhellen. Aber das hat seinen Preis. Und wenn die Sonne weg ist und ich alleine bin, darf die Traurigkeit ihren Ausdruck finden.

Ich weiß, dass ich fliegen werde. Meine Flügel habe ich nicht verloren und ich trainiere sie so oft ich kann. Sodass ich die Freiheit nicht vergesse und ihr Strahlen in mir nicht erlischt.

Ich singe "Nam Myoho Renge Kyo".


Freitag, 3. Januar 2014

"The greatest thing you'll ever learn is just to love and be loved in return"

Hier sitze ich, drei Monate Südafrika liegen hinter mir. Der Flieger unter mir hat begonnen zu vibrieren, die Bildschirme zeigen die Route der nächsten Stunden an. Und das Einzige, was ich denken kann ist: ich will hier nicht weg, ich will nicht gehen. Ich gehöre hier hin, hier in Südafrika werde ich mein Herz zurücklassen und darauf warten, es hier eines Tages wiederzufinden. Das sind diese Momente, wenn dein Leben die Richtung ändert und anfängt zu rennen und du weisst, kein Stein bleibt auf dem Anderen, nichts bleibt wie es war. Und es hat mich wieder, ich renne mit meinem Leben in die neue Richtung und möchte nichts lieber tun. Was mir hilft ist, dass ich weiß, dass dieses nicht das Ende meines Afrikaabenteuers ist, es it der Anfang.
Ich weiß jetzt wer ich bin und was ich will. Ich weiß, dass ich mutig ud stark bin und dass die Entscheidung, ob ich mein Leben so drastisch ändern möchte längst getroffen ist. Ich habe hier in Südafrika mein Glück, meine Familie und mein Zuhause gefunden, meine Liebe und meine Prioritäten und habe eine Zukunft vor Augen, die ich kaum erwarten kann.
Meine "Mum" Debbie sagte zum Abschied: je schneller du weg bist, um so schneller bist du zurück. Und ja, von jetzt an zählen die Minuten bis ich wieder hier bin, Zuhause in Capetown.
All ihr wundervollen Menschen, die dafür gesorgt haben, dass jeder Tag hier so perfekt ist, wie er war. Ich kann meine Dankbarkeit und Liebe für euch nicht in Worte fassen, ihr seid das Wundervollste, was mir jeh passiert ist und ich verspreche, spätestens im Juni habt ihr mich wieder! Südafrika hat mich auf den Kopf gestellt und ich muss sagen, so sieht die Welt sogar noch schöner aus.
Ich stehe in der Menge pulsierender Menschen. Die Drachenflügel über mir flattern leicht im Wind. Die warmen Strahlen der Nachmittagssonne streicheln meine Haut und durch den sachten Nebel der Sprenkler sehe ich die Bühne leuchten. Die Luft schwirrt vor Freude, Liebe und Glück, während die Musik meinen Körper bewegt. Neben mir tanzt Phil, wunderschön, selbstvergessen. Heute ist 2014.

Dienstag, 24. Dezember 2013

Freedom

Ich bin jetzt seit zwei einhalb Wochen in A.D. und hadere noch immer damit, was ich schreiben soll. Ich habe Leute getroffen, die seit Jahren immer wieder kommen und die hier eine Paradies für sich gefunden haben. Und wenn ich höre, wie es früher war, muss A.D. ein magischer Ort gewesen sein. Es ist, wie ganz Südafrika, ein Ort voller Gegensätze, eine Welt mit zwei Gesichtern. Die eine Seite, sind zum Beispiel die anderen Volunteere. Wir sind etwa 30 Leute und obwohl ein ständiges Kommen und Gehen herscht, bilden wir eine tolle Gemeinschaft mit wundervollen, beeindruckenden Menschen. Und auch das Betüddeln der Servale und Äffchen macht mir große Freude.
Die andere Seite sind all die prägenden, schrecklichen Momente. Beispielsweise das Füttern toter Küken an die Minifalken in dem Wissen wie diese umgebracht wurden oder das Vorbereiten des Hackfleischs für die fleischfressenden Vögel. Und immer wenn du denkst, du hast dich an Blut und Tod und den Geruch von Verwesung gewöhnt, passiert etwas schlimmeres. Dann gehst du zu deiner Hütte und kommst an einem Truck vorbei, auf dem zwei winzige, entzückende Kälbchen auf einem Berg toter Hühner stehen und du weißt, wenn du deine Hütte erreicht hast, sind sie schon tot; oder P. bringt einen großen Sack toter Küken in den Vorratsraum und plötzlich piepst es in dem Sack und eine "Managerin" erzählt dir ganz leicht neben her, dass es jedes Mal vor kommt, dass sie nicht alle Küken vernünftig umgebracht bekommen, während sie zwischen den reglosen Leibern nach den Überlebenden stöbert. Dieser Ort frisst sich durch meinen Schutzwall wie Säure und Mike, ein wundervoller Mensch, den ich hier kennen lernen durfte, ist wohl der Grund, dass er noch steht.

Ich sitze vor der Main Aviary und beobachte die Vögel durch den Maschendrahtzaun. Seit einer Stunde warten wir auf Anweisung von P. Dieser rennt immernoch mit 5 anderen Männern durch den Käfig, in fieberhafter Suche, die Augen auf den Boden geheftet. Sein Luftgewehr ist geladen, die Anderen tragen Stöcke und Baseballschläger, mit denen sie in die Büsche schlagen. Noch haben sie die Ratte nicht gefunden. Auf einmal taucht ein starkes Bild in meinem Kopf auf, es ist ein Loch unter einem Busch in dem sich ein entsetztes kleines Lebewesen versteckt. Wenige Sekunden später brüllt einer der Männer "there is a hole", während er halb in einem der größeren Büsche verschwindet. Sofort werden Gießkannen herangeholt und das loch wird geflutet. Ich sehe einen Schwall Wasser auf mich zukommen, fühle Panik und Atemnot. Voll todesangst versucht die Ratte aus ihrem Loch und unter den nächsten Busch zu gelangen und rennt dort vor den Lauf von P.s Flinte. Dieser schießt, schafft es jedoch nur sie zu verletzen und als sie auf die  andere Seite des Bushes flieht, packt einer der anderen sie am Schwanz, wirft sie in die Luft und schlägt sie mit dem Baseballschläger einige Meter weit durch die Voliere.

Es ist für mich so schwer begreiflich, wie man das Leben eines Tieres auf diese Weise über das eines Anderen stellen kann. Die meisten von uns sind in dem Glauben und der Hoffnung gekommen, Tiere zu retten. Aber in dem Moment in dem klar wird, welcher Preis dafür gezahlt wird und dass es noch nichteinmal um Auswilderung geht, sondern darum, eine Art "Zoo"  für die Volunteere aufzubauen, wird einem ganz schlecht. Denn wir sind das Geschäft dieses Ortes, an uns verdienen sie das Geld. Deswegen sind die Tiere hier, um zu bleiben.

Ich spreche am nächsten Tag mit P. darüber und es ist sehr interessant. Er sagt, wannn immer du dich für etwas entscheidest, entscheidest du dich gegen etwas anderes und jeder würde beschützen, was er liebt, also schütze er seine Vögel. Das ist eine Erfahrung, die ich ebenfalls gemacht habe, aber ist der Preis für ein Leben immer ein Anderes? Er meint: in dem Moment in dem man ein Tier aufzieht, es an einen gewöhnt und füttert, geht man eine lebenslange Verbindung ein. Eine sehr verantwortungsbewusste Auffasung, wie ich finde. Doch wenn man sich klar macht, dass über 300 Tiere in Afrikan Dawn leben, liegt das Problem auf der Hand. P. sagt, er kann die Welt nicht retten, er kann nur versuchen, den kranken und verletzten Tieren eine zweite Chance zu geben. Und darin ist er ausgesprochen gut. Hier leben einige Vogelarten, die vor P. keiner zum Brüten in gefangenschaft gebracht hat.
Ich bin mir nicht sicher, ob für mich ein Leben in Gefangenschaft tatsächlich eine zweite Chance bedeutet. Vielleicht sind es nur wir Menschen, die den Käfig dem Tod vorziehen würden. Vielleicht ist der Tod für Tiere, in ihrem Bewusstsein um ihre Sterblichkeit und ewige Seele, einfach nur ein neuer Anfang.
Was ich gelernt habe ist, dass jeder, wann immer er etwas retten oder schützen will, einen Preis dafür zahlen muss. Die Konstellationen, in denen Tiere in meinen Augen wirklich geschützt werden, kosten die Verantwortlichen ausgesprochen viel Geld, Zeit und manchmal ganze Aspekte ihres Lebens. P. bezahlt den Preis hier nicht, wir Volunteere zahlen mit Geld, Zeit, Liebe und unserer Illusion von einer grundlegend positiven oder liebevollen Welt. Und das führt, in meinen Augen, immer zu einer Schieflage. Auf diese Weise kommt immer jemand zu schaden. Wäre dieser Ort kleiner, hätte P. die Möglichkeit, alle Gehege rattensicher zu machen und kein Tier müsste sterben. Ich weiß für mich, dass ich nicht das Wesen bin, dass über den Wert eines Lebens zu entscheiden oder gar zu urteilen vermag. Ich glaube, dass eines der grundlegenden Probleme unserer Rasse ist, dass wir verlernt haben, auf eine liebevolle, umsorgende Natur zu vertrauen. Hätten wir noch das Urvertrauen und das tiefe Verständnis der Aborigines, wäre dies eine komplett andere Welt.

Ich stehe am Strand von Jeffreys Bay und beobachte den Sonnenaufgang über dem Ozean. Die Wellen sind perfekt, das Wasser ist schon warm und die ersten goldenen Strahlen liebkosen das Meer. Lewis steht neben mir. Ich schlüpfe aus meinem Kleid und gemeinsam rennen wir in die Fluten.

Samstag, 23. November 2013

Scence

Bevor ich hierherkam sagte man mir, ich solle den Bush mit allen Sinnen wahrnehmen. Ich habe die schwere, süßlich scharfe Gewitterluft gerochen, so intensiv, dass ich sie schmecken konnte, ebenso wie die trockene Leichtigkeit des Tages. Ich haben dem Gesang des Bushes bei Nacht und bei Tag bei Trockenheit und Regen gelauscht. Ich habe das satte Rot des Sandes und das strahlende Grün des frischen Laubes gesehen, ebenso wie den schwerblauen Himmel, das Lichtspiel auf dem Wasser und das Schwarz, der von der Sonne verbrannten Stämme. Ich habe salzige Hitze geshmeckt und die Süße des Baumharzes. Ich spürte die Sanftheit der Erde ebenso wie die Schärfe der Dornen, die aus ihr erwachsen.

Ich bin so wahnsinnig glücklich, es ist einfach alles perfekt! Ich weiß nicht, wieso das Leben mich so zu lieben scheint, aber es ist einfach großartig zu mir. Ich erlebe all diese wundervollen Dinge und jeder Knacks wird ein wichtiger Stein im Mosaik dieses Paradieses.

Trust

Es ist ein verrücktes Gefühl, aber ich habe mir innerhalb von 1 1/2 Monaten ein komplett neues, weiteres Leben aufgebaut. Ich habe Freunde hier, Menschen, die wie Familie sind, Perspektiven und Zukunftsvisionen. Ich stehe also da, mit zwei Leben und fühle mich hilflos. Denn ich liebe beide Leben und ich weiß nicht, wie ich mich entscheiden soll. Und am Ende wird es immer schmerzhaft, denn ich muss eines verlieren. Du kannst nicht zwei Leben leben, wie Gert sagte, sonst zerfließt du in Tränen. Ich habe Zeit bis Sylvester, um zu entsheiden, welches ich will. Und es wir schwer, denn mein Leben in Deutschland ist wunderoll und doch kann ich mir kaum vorstellen, zurückzukehren, die alten Straßen zu gehen, meine üblichen Tätigkeiten aufzunehmen, das ist in meinem Kopf nicht möglich.
Und ich habe Angst, in Deutschland aus dem Flieger zu steigen und das einzige, was ich mir wünsche, ist nach Afrika zurückzukehren. Was tue ich dann, wie reagiere ich, welches Leben?

Was mir hilft ist, dass ich lerne zu vertrauen. Ich spüre die Macht und die Liebe der Natur und des Universums und ich merke jeden Tag, dass sich alles zum Guten wendet, dass alles die richigen Wege geht. Wie Phil zu mir sagte:" Alles ist perfekt, es ist unsere Unfähigkeit, es so zu sehen." Und ich bin sicher, er hat recht. Ich weiß dass, wenn ich es zulasse, die Natur mir helfen wird. Ich glaube, dasist eine meiner wichtigsten Lektionen.

Was ich hier draußen auch lerne, sind meine Prioritäten, was ich wirklich brauche und wünsche. Ich hätte nie gedacht, dass meine Naturverbundenheit mir so wichtig ist. Aber so ist es. Ich möchte über die Systeme hier lernen, ich möchte wissen, in welcher ursprünglichen Welt ich lebe. Und ich möchte die Fähigkeiten weiterentwickeln, die daraus entstehen.
Die Natur hier bringt mich zur Ruhe und ich fange an, Tiefe, Erdung und meine Wurzeln zu spüren und das bedeutet mir unglaublich viel. Ich möchte versuchen, dass zu bewahren, egal wo ich bin.

Ich liege auf dem Dach unseres Schuppens, Phil neben mir. Wir blicken in den Himmel, es ist total klar und dennoch sieht man kaum Sterne, der Vollmond ist zu schön und zu hell. Nur Venus strahlt durch die Nacht, in ihrer Majestät ungebrochen. Die Luft ist warm und erfrischend von der Hitze des Tages. Die Savanne singt ihr Lied, laut und wunderschön und wenn man sehr vorsichtig lauscht, kann man das trommelnde Lied Afrikas hören, welches im gesamten Kontinent klingt. Ich liebe dieses Lied und ich liebe dieses Land.

Mit jedem Tag fühle ich, wie Zuhause ich hier bin. Ich habe mich nirgends so beheimatet gefühlt.

Ich sitze im Buffalo-Hide auf meinem Plastikstuhl. Es ist ein Holzausguck mit Reetdach, etwa 3-4m hoch. Hinter mir steht ein großer Baum, er scheint halb tot, doch ein Teil von ihm trägt schönes Laub. Vor mir, umgeben von einer recht offenen Fläche, ist das Wasserloch, an dem vor einer halben Stunde noch Impalas tranken. Sie haben längst Schutz gesucht. Über mir und um mich tost ein gewaltiger Sturm. Der ganze Hide schwankt unter der Wucht des Windes und der Donner hat eine fast unnatürliche Lautstärke. Vor mir sehe ich einen Blitz aus dem Boden wachsen. Er trifft auf sein Gegenstück aus den Wolken, sie vereinen sich in einer knisternd donnernden Explosion.

Wenn ich die Gewalten der Natur auf diese Weise spüre, merke ich, wie klein und unbedeutend ich bin und wie zart mein Leben ist. Das ist ein wunderbares Gefühl. Für einen Moment vergesse ich die Probleme dieser Welt.

Freitag, 8. November 2013

Nam Myoho Renge Kyo

Ich habe herusgefunden, dass die Körperspannung, die ich oft vermisse und die Verbindung zur Natur, die jch hier dauerhaft zu stärken versuche, maßgeblich von meiner Kopfhaltung abhängt. Halte ich mein Kinn ein wenig stolz erhoben, ist die Körperspannung und die Naturverbundenheit sofort zu spüren, eine Entdeckung, die ich genüsslich erprobe. Auch ist mir aufgefallen, dass meine Zehen gar nicht so seltsam geformt sind, sondern schlicht in einer gekrümmten Haltung verharren, wie Krallen. Mir gefällt dieser vergleich. Wenn ich sie strecke, sehen sie normal aus, fast hübsch.

Ich sitze mit meinerm neu errungenen Selbstgefühl im Jeep. Der Wind pfeift in meinen Ohren und die Hitze des Nachmittags beginnt sich in die gnädige Frische des Abends zu wandeln. Ich spüre dieses neue, erotische Gefühl, meinen Stolz, meine Kraft und meine Präsenz und chante dafür, einen Geparden zu sehen.
Fünf Minuten später steht er vor uns; groß, hübsch, ich liebe den Kontrast der dunklen Flecken im hellen Fell, dass den schlanken athletischen Körper umhüllt. Er verbirgt sich halb hinter einem Baum und verschwindet im Dickicht des Buschs. Aber er läuft nicht weit, ich kann ihn spüren, seinen ruhigen, weisen Blick der uns gefangen hält, ohne dass wir ihn erwiedern könnten.

Und so ist wieder ein Tag perfekt. Ich lebe jetzt seit über einem Jahr mit den buddhistischen Lehren Nichirens und dem Gohonzon und hier in Südafrika chante ich jeden Tag, manchmal Stunden, ganz nebenbei in meinem Kopf oder bewusst mit meinem kleinen Omamori (Reise oder Schutzgohonzon) und es war der schönste Monat meines Lebens. Ein perfekter Tag folgt auf den anderen, ich bin zum bersten gefüllt mit Liebe und Freude und positive Energie und hier im Busch kann ich intensiv erleben, was Marlo Morgan in "Traumfänger" über die Fürsorge der Natur beschreibt. Die Aborigines beten jeden Morgen mit Tänzen und Gesang für die Wunder und Erfahrungen des Tages und ich folge ihrem Beispiel.
Das Chanten, die Natur um mich herum, die viele Zeit, meine Gedanken schweifen zu lassen, das ist perfekt. Ich lecke meine Wunden, heile sie, lasse alte Gefühle hinter mir und habe mich noch nie so gesund und stark und natürlich gefühlt wie hier. Mich jagd ein krativer Schub nach dem anderen und die Dinge die ich anfange, fallen mir leicht und werden gut. Ich vertraue meinem Körper und bin voll Freude über die für mich großartigen Leistungen, zu denen er jetzt mühelos fähig ist. Ich achte nach wie vor nicht darauf mich anzupassen und ich stelle fest, dass es mich nicht mehr traurig macht, anders zu sein und in einigen Punkten, einfach nicht dazuzugehören. Es ist gut, denn ich bin ich.

Auch meine Wut lässt mich nicht im stich und sie hilft mir sehr, alte und neue Gefühle zu verarbeiten. Ich glaube, jeder Mensch drückt seine Agression aus, selbst die, die der Meinung sind, sie hätten gar keine. Sie zeigt sich oft unbemerkt ihres Uhrhebers, anderen als irritierende oder lästige Eigenschaft und ist durch den Versuch sie zu leugnen odet abzuspalten umso gefährlicher. Ich habe die Erfahung gemacht, dass Wut sich verhält, wie ein verstoßenes Kind, wenn man versucht, sie von sich abzuspalten. Sie fängt an zu wachsen, lauter nd heftiger zu werden, grässliche Bilder der Angst zu malen ud weckt die inneren Dämonen, bis sie so beängstigend ist, dass man glauben kann, die ganze Welt möchte nichts als einen brutal zerstören und gleichzeitig gewiss ist, ein Monster, dass zu genau Diesem fähig ist, in sich zu tragen.
Als meine Wut und ich diesen Punkt erreicht hatten, brachten mich wundervolle Menschen dazu, sie wieder aufzunehmen und als Teil von mir zu akzeptieren. Mein Wutmonster schrumpfte zu einer Flauschekugel zusammen und verkrümelte sich schnurrend und zusammenrollend an einen sicheren Platz meines Herzens.

In diesem Sinne,
Nam Myoho Renge Kyo, liebe Welt,
Pass auf dich auf, morgen früh fahren wir um 5:00 zum  Gemsbock- fangen.
Liebe, Rania

Donnerstag, 31. Oktober 2013

CT BestOff!

Ich habe in Cape Town so viele wunerbare Dinge erlebt undich möchte sie euch nicht alle vorenthalten. Hier also meine Cape Town Highlights:

Die Natur um Cape Town ist atemberaubend. Egal wo man steht, man sieht immer den Tafelberg oder Lionshead und den Ozean. Man kann stunden durch den Dschungel der "Zwölf Aposteln" klettern und sich einen Atemzug später in einem Club mitten in der Stadt wieder finden.

Ich habe Tablemountain bestiegen. Den schweren Weg. Und ich bn wahnsinnig stolz auf mich. Mein Körper kann das inzwischen einfach so, ohne Asthma oder andere Attacken, ohne beängstigende Grenzerfahrungen, angenehm und schön! Ich fange an mich in ihm wirklich sicher und Zuhause zu fühlen. Und es hat sich wirklich gelohnt, der Blick über Cape Town von diesem magischen Ort ist enfach beeindruckend und unbeschreiblich schön.

Ich spüre den Fels unter meinen Füßen. Der Stein ist noch warm von der Sonne, deren letztes Licht gerade verschwunden ist. Ich stehe ganz oben auf dem Lionshead wo wir uns den Sonnenuntergang angeschaut haben und im pulsierenden Schein der nächtlichen Stadt mache ich mich barfuß an den abstieg. Der ganze Berg erstrahlt von Glühwürmchen und der Lärm Cape Towns ist aus dieser Höhe kaum zu vernehmen.

Die Wunder des Dschungels, der den geheimen kleinen Bach säumt sowie die Gespräche mit den Bäumen Kirstenboschs, welche ich mit Gert erlebte und teilen durfte, bleiben ewig in meinem Herzen.

Die Company Gardens sind absolut schön! Mitten im Stadtzentrum ist ein wundervoller Park mit den schönsten Bäumen, die ich je gesehen habe. Sie sind nicht alle aus Südafrika, aber das Klima hier scheint ihnen gut zu gefallen und so wachsen sie zu beeindruckender Größe und Schönheit. In ihnen leben wundervolle Eichhörnchen und Vögel und wenn man genau hinhört, greifen die Bäume ihre Lieder auf. Ich habe Stunden damit verbracht, sie zu beobachten, zu zeichnen und mit ihnen Kontakt zu knüpfen und in mitten der bebenden Stadt ist es ein Ort voll Friede und Erdung.

Was ich ganz besonders vermisse, ist das Tanzen. Die Clubs von Cape Town sind wunderschön und vielfältig und es war ein tolles Erlebnis in diese schillernde Welt einzutauchen.

Ich gehe über die Longstreet, meine Freunde aus Brasilien sind mit mir. Ich grüße einen befreundeten Türsteher von einem meiner Lieblingslokale und steuere den nächsten Club an. Auf der anderen Straßenseite prügeln sich Betrunkene, die Securityleute umgeben sie bereits und versuchen zu deeskalieren. Im Kontrast dazu stehen die schillernden, wunderschönen, fröhlich feiernden Menschen in den hübschen, hell erleuchteten Clubs und Bars die die Straße säumen. Trotz dieser Unterschiede fühle ich mich unglaublich wohl und strahle mit der Stadt. Enrique sieht mich von der Seite an und sagt: "You live here." Ich strahle noch etwas heller und sage:"Yes, I do."

Into the wild

Ein Summen erfüllt den ganzen Bus. Die vielen unterschiedlichen Sprachen und Stimmen ergeben die Musik,die die vorbeziehende Landschaft untermalt. Ich meine, ich höre Zulu, Xosa, Afrikaans, kaum Englisch. Außerhalb des Busses ist die Landschft geprägt von Bergen, Nadelbäumen und Landwirtschaft. Die Stewardess des Busses bittet uns, jeden Mitfahrer mit unserer Liebe zu segnen. Wir begeben uns weiter ins Inland und erreichen die Karoo. Es ist die erste Wüste, die ich sehe. Der Sand ist bunt, von dunkelblau zu himmelblau über strahlend grün hin zu allen Farben des Sonnenuntergangs. Es ist ein Regenbogenland und glitzert in der Sonne als bestünde es aus Diamant, eine Schönheit, die ich nicht einmal erahnt habe.
Ich möchte nur hinausschauen und über meine letzten Wochen nachdenken, doch mein Sitznachber lässt mich nicht. Er ist aufdringlich doch durchaus interessant; so erzählt er mir, er habe drei Jahre in Indien verbracht um aus Händen lesen zu lernen. Er gibt mir eine Kostprobe und es ist erstunlich was er in meinen Händen liest. Doch selbst das richtige Handlesen zu lernen und die Regenbogenwüste um mich herum, können den Abschiedsschmerz nicht verblassen lassen. Cape town zu verlassen ist fast schmerzhafter als es war, nach Südafrika aufzubrechen.
Ich habe die letzten Wochen bei Debbie , einer wundervollen Englischlehrerin, die mir Mutter und Freundin geworden ist und ihrem Hund Bob Marley verbracht. Von der Veranda ihres kleinen Hauses in Seapoint kann man rechts die Berge um Lionshead und Signal Hill und links den Ozean sehen. Ich hätte dort ewig bleiben können, uns gegensetig bekochen, gemeinsam kuchensoaps gucken, schöne Spaziergänge mit Marley machen... Ich habe ein Zuhause in Cape Town und ich werde dorthin zurückkehren!
Auch meine Freunde dort fehlen mir sehr. Ich habe verwandte Seelen getroffen, mich mit ganzen Bands, Türstehern, Kellnern und Barkeepern angefreundet und ich kann nicht mehr über die Longstreet laufen, ohne jemanden zu kennen; ich habe mit Taxifahrern mein Eis geteilt, mit ihnen über ihren Beziehungskummer gesprochen und zwischen all dem Fliegen meine Wurzeln bei den Bäumen und Bergen gefunden, die wenn man lauscht, Lieder von alten Zeiten singen.

Tiefe Dunkelheit umgibt uns als wir in dem alten Bus in die Wildnis fliegen. Die Scheinwerfer zerreißen die Nacht um uns herum und lassen hin und wieder Schemen großer Körper aufleuchten, welche meine Fantasie zu Tieren formt. Die befestigte Straße hat sich in einen Sandweg verwandelt und der Van kracht bei dieser Geschwindigkeit so sehr, dass ich mich frage, wie lange er standhält.
In unserer ersten Nacht begrüßt uns ein Gewitter, wie ich es selten erlebt hab. Es ist warm, Blitze zucken über uns und der Sturm bläht die Vorhänge. Ein mosuartiger Regen folgt, der die rote Erde mit leuchtenden Spiegeln übersäht. Er wird die Savanne zum blühen bringen.

Meine Welt in Deutschland wirkt klein, gegen die Größe dieses Landes.

Big Mama

Ich habe heute den schönsten Baum der Welt kennen lernen dürfen. Sie ist ein Baobab und weit über 1000 jahre alt, ich nenne sie Big Mama. Big Mama steht mitten in Zingela und man muss ein paar Minuten in den Busch laufen, um sie zu erreichen. Ihr Stamm ist so gigantisch, dass es mehr als 10 große Männer braucht, um sie zu umfassen und schimmert in einem tiefen, hell duchäderten rot. Ihr gesamter Stamm scheint in den Boden zu fließen, dicke Tropfen ihres Holzes rinnen an ihr hinab und ihre Äste ragen wie Wurzeln in den Himmel. Ich muss weinen, als ich sie sehe. Die Legende um Baobab-Bäume besagt, dass als Gott den Baobab schuf, er ihn als zu schön für Menschen und diese Welt erachtete und ihn deshalb einfach auf den Kopf stellte, so dass nur er ihn wirklich sah und schuf somit eine stake Verbindng zwischen Himmel und Erde. Man kann diese Legende spüren, wenn man vor ihr steht und um sie her ist ein wahrlich magischer Ort.

Ich lerne so viel die letzten Tage über das System einer wilden Natur. Und ich liebe die Aufgaben, die wir übernehmen. Das verstecken in den Hochsitzen, lauernd nach Tieren, die wir protokolieren, die Fahrten, während deren wir die Tiere zählen, auch nur das Sitzen hinten in dem offenen Jeep mit dem Wind im Gesicht, der die Hitze davonträgt, das alles ist so wahnsinnig schön!
Das Lehrreichste sind die Wanderungen durch den Busch. Alle Sinne sind geschärft und ich habe nie eine so starke Verbindung und Zugehörigkeit zur Natur gespürt!

Es ist beeindrucken Elefanten, Giraffen, Baboons und Zebras in freier Wildbahn zu sehen, ungezähmt, ntürlich. Aber auch schwer zu begreifen. Ich glaube Menschen wünschen sich immer eine Beziehungzu diesen beeindruckenden Schönheiten, die uns Ehrfurcht lehren können. Deswegen füttern wir sie, gewöhnen sie an uns und sperren sie ein. Doch damit respektieren wir weder sie noch ihre Systeme und verjagen oder töten damit genau das, was in uns den Wunsch nach einer Beziehung zu ihnen weckt. Somit nehmen wir uns jede Chance auf eine tatsächliche Verbindung zu ihnen. Vielleicht entsteht die einzig echte Beziehung zwischen ihnen und uns in dem Moment, in dem sie uns jagen?

Ich liege in unserem waldgrünen Zelt und lausche in die Nacht. Das metallische Surren der tausenden Termitenflügel ist verstummt, nachdem das Buschbaby sein Abendmahl beendet hat. Doch der Wald schläft nicht. Ich muss an die Bilder dieses Tages denke, an den Ausguckspunkt, von dem aus man Botswana und Zimbabwe sehen kann, mit den kleinen Gekkos und den Klippschliefern, die über die sonnenwarmen Felsen huschen, den goßen Elefantenbullen, der mir tief und ruhig in die Augen blickt, an die Art, wie sich der grün schimmernde Leib der Schlange durch die Bäume schlängelt, an die beeindruckenden Nyala-Bäume und ihre Partnerschaft mit den Termiten und das leuchtende grün der "Fever Tree"-Rinde, die die Felsen hinabfließen, an Matilda die auf dem Sitz vor mir schläft und Alister, der sich auf dem Sitz hinter mir in der Landschsft verliert. Tief im Wald brüllen die Löwen.

Wir haben die letzten Tage wegen eines Zusammentreffens verschiedener Natur- und Tierschützer im Mapungubwe Nationalpark verbracht. Ich glaube, unter Menschen zu sein hat uns allen sehr gut getan. Und dennoch birgt es ein Zuhausegefühl, zurück in unserer  Zingela-Wildnis zu sein. Ich habe viel Zeit zum Nachdenken und bin noch nicht sicher, ob das so gut ist. Aber ich glaube man kann nicht nach Südafrika fliegen, ohne die Perspektive auf sein Leben zu verändern.

Freitag, 11. Oktober 2013

haeven

Ich kann keine Sonnenbrillen tragen. Du lachst mit den Augen, ohne sie geht es nicht. Wenn ich so etwas trage habe ich das Gefühl, ich kann nicht mehr lachen. Und ich habe selten so viel gelacht und gelächelt, wie hier. Alles ist voller Liebe und Fröhlichkeit und wunderschöner Menschen! Ich besah vorhin den Himmel über Kapstadt und betitelte ihn mit "Heaven" nicht mit "sky". Und es  entspricht wirklich meinem Gefühl!
Ich sitze mal wieder neben diesen spannenden, wundervollen Menschen an der Sunflowerbar und lasse mir von der Sonne den Rücken wärmen.
Die Menschen hier sind so wahnsinnig schön, dass ich ernstahft über ein Keuschheitsgürtel nachdenke, aber wegen den Unannehmlichkeiten, die ein solcher bereitet, könnte meine Beine nicht zu rasieren, vielleicht den selben Effekt haben.

Der inhaber meines Hostels erklärte mir gestern "ubuntu". Es beschreibt die Gemeinschaft  all dieser unterscheidlichen Menschen. Egal wie viel Geld, welche Hautfarbe oder Herkunft sie haben. Ubuntu verbindet sie zu einer grossen Gemeinschaft die füreinander sorgt. Und dieser Geist ist überall zu spüren.

Meine frühere Tutorin hat mal gesagt, ich würde immer ein Mensch der Aufs und Abs bleiben, ich müsse nur lernen, beide Zustände zu genießen. Wie recht sie hatte. Die erste Traurigkeit überfällt mich. Vielleicht ist es etwas, was meine mama so gerne als Eusress, also als positiven Stress bezeichnet, vielleicht ist es ein Anflug von Sehnsucht nach Sicherheiten, vielleicht ist es auch nur der Preis, den mein wunderbares Geschenk unglaublichen Glücks kostet; ist es letzteres zahle ich ihn gern. Ich fühle mich etwas seltsam. Nein, ich habe das Gefühl, ich merke das erste mal, wie seltsam ich bin. Ich verbringe viel Zeit mit den Jungs. Sie sind so witzig und liebevoll und lachen mit mir, wenn ich komische Dinge tue, ich glaube die Mädels verschrecke ich eher damit. in einem Punkt macht es mich traurig, dass ich schon so eigen bin, irgendwo wirklich nicht dazuzupassen, andererseits freut es mich, denn es bedeutet, ich werde mehr und mehr ich selbst. Vielleicht, ist es auch nur mein Erstaunen darüber, dass ich die Wahl habe, zu wem ich gehören will, wo ich sein möchte, bei wem ich mich zuhause fühle und vor allem, wie unperfekt ich bin und wie gut sich das anfühlt. Ich muss gestehen, es verunsichert mich etwas, so vollständig unverblümt zu sein und dennoch ist es genau richtig! Lieber Dr.Walter, liebe Frau Krämer: ich bin hier so wahnsinnig unperfekt!  Mein Englisch ist nicht gut, ich bin grossmäulig in einigen Momenten, ich bin eine entsetzliche Quasselstrippe und rede ganz schön seltsamen Kram, wo ich nicht möchte, lasse ich mit meiner Meinung gerade keine super reflektierte Gnade walten und gehe an dieses Abenteuer voller Lebenswut! Ich bin Ihnen so wahnsinnig dankbar dafür!!

Vielleicht ist es tatsächlich, als wäre ich auf einem Trip, meinem Südafrikatrip und wenn die Wirkung meiner Droge nachlässt, fühle ich mich ersteinmal ausgelaugt und fertig. Aber es reicht einer Gruppe wunderschön singender Männer zu lauschen um wieder zurück in meinem Himmel zu sein.

Heute Morgen: Ein Strand. Der Sand ist weiß und fein. Große Wellen brechen stürmisch und flüstern auf uns zu. Der Nebel umarmt die Welt um uns. Nur das Weiß des Sandes, die Wellen und wir.