Freitag, 3. Januar 2014

"The greatest thing you'll ever learn is just to love and be loved in return"

Hier sitze ich, drei Monate Südafrika liegen hinter mir. Der Flieger unter mir hat begonnen zu vibrieren, die Bildschirme zeigen die Route der nächsten Stunden an. Und das Einzige, was ich denken kann ist: ich will hier nicht weg, ich will nicht gehen. Ich gehöre hier hin, hier in Südafrika werde ich mein Herz zurücklassen und darauf warten, es hier eines Tages wiederzufinden. Das sind diese Momente, wenn dein Leben die Richtung ändert und anfängt zu rennen und du weisst, kein Stein bleibt auf dem Anderen, nichts bleibt wie es war. Und es hat mich wieder, ich renne mit meinem Leben in die neue Richtung und möchte nichts lieber tun. Was mir hilft ist, dass ich weiß, dass dieses nicht das Ende meines Afrikaabenteuers ist, es it der Anfang.
Ich weiß jetzt wer ich bin und was ich will. Ich weiß, dass ich mutig ud stark bin und dass die Entscheidung, ob ich mein Leben so drastisch ändern möchte längst getroffen ist. Ich habe hier in Südafrika mein Glück, meine Familie und mein Zuhause gefunden, meine Liebe und meine Prioritäten und habe eine Zukunft vor Augen, die ich kaum erwarten kann.
Meine "Mum" Debbie sagte zum Abschied: je schneller du weg bist, um so schneller bist du zurück. Und ja, von jetzt an zählen die Minuten bis ich wieder hier bin, Zuhause in Capetown.
All ihr wundervollen Menschen, die dafür gesorgt haben, dass jeder Tag hier so perfekt ist, wie er war. Ich kann meine Dankbarkeit und Liebe für euch nicht in Worte fassen, ihr seid das Wundervollste, was mir jeh passiert ist und ich verspreche, spätestens im Juni habt ihr mich wieder! Südafrika hat mich auf den Kopf gestellt und ich muss sagen, so sieht die Welt sogar noch schöner aus.
Ich stehe in der Menge pulsierender Menschen. Die Drachenflügel über mir flattern leicht im Wind. Die warmen Strahlen der Nachmittagssonne streicheln meine Haut und durch den sachten Nebel der Sprenkler sehe ich die Bühne leuchten. Die Luft schwirrt vor Freude, Liebe und Glück, während die Musik meinen Körper bewegt. Neben mir tanzt Phil, wunderschön, selbstvergessen. Heute ist 2014.

Dienstag, 24. Dezember 2013

Freedom

Ich bin jetzt seit zwei einhalb Wochen in A.D. und hadere noch immer damit, was ich schreiben soll. Ich habe Leute getroffen, die seit Jahren immer wieder kommen und die hier eine Paradies für sich gefunden haben. Und wenn ich höre, wie es früher war, muss A.D. ein magischer Ort gewesen sein. Es ist, wie ganz Südafrika, ein Ort voller Gegensätze, eine Welt mit zwei Gesichtern. Die eine Seite, sind zum Beispiel die anderen Volunteere. Wir sind etwa 30 Leute und obwohl ein ständiges Kommen und Gehen herscht, bilden wir eine tolle Gemeinschaft mit wundervollen, beeindruckenden Menschen. Und auch das Betüddeln der Servale und Äffchen macht mir große Freude.
Die andere Seite sind all die prägenden, schrecklichen Momente. Beispielsweise das Füttern toter Küken an die Minifalken in dem Wissen wie diese umgebracht wurden oder das Vorbereiten des Hackfleischs für die fleischfressenden Vögel. Und immer wenn du denkst, du hast dich an Blut und Tod und den Geruch von Verwesung gewöhnt, passiert etwas schlimmeres. Dann gehst du zu deiner Hütte und kommst an einem Truck vorbei, auf dem zwei winzige, entzückende Kälbchen auf einem Berg toter Hühner stehen und du weißt, wenn du deine Hütte erreicht hast, sind sie schon tot; oder P. bringt einen großen Sack toter Küken in den Vorratsraum und plötzlich piepst es in dem Sack und eine "Managerin" erzählt dir ganz leicht neben her, dass es jedes Mal vor kommt, dass sie nicht alle Küken vernünftig umgebracht bekommen, während sie zwischen den reglosen Leibern nach den Überlebenden stöbert. Dieser Ort frisst sich durch meinen Schutzwall wie Säure und Mike, ein wundervoller Mensch, den ich hier kennen lernen durfte, ist wohl der Grund, dass er noch steht.

Ich sitze vor der Main Aviary und beobachte die Vögel durch den Maschendrahtzaun. Seit einer Stunde warten wir auf Anweisung von P. Dieser rennt immernoch mit 5 anderen Männern durch den Käfig, in fieberhafter Suche, die Augen auf den Boden geheftet. Sein Luftgewehr ist geladen, die Anderen tragen Stöcke und Baseballschläger, mit denen sie in die Büsche schlagen. Noch haben sie die Ratte nicht gefunden. Auf einmal taucht ein starkes Bild in meinem Kopf auf, es ist ein Loch unter einem Busch in dem sich ein entsetztes kleines Lebewesen versteckt. Wenige Sekunden später brüllt einer der Männer "there is a hole", während er halb in einem der größeren Büsche verschwindet. Sofort werden Gießkannen herangeholt und das loch wird geflutet. Ich sehe einen Schwall Wasser auf mich zukommen, fühle Panik und Atemnot. Voll todesangst versucht die Ratte aus ihrem Loch und unter den nächsten Busch zu gelangen und rennt dort vor den Lauf von P.s Flinte. Dieser schießt, schafft es jedoch nur sie zu verletzen und als sie auf die  andere Seite des Bushes flieht, packt einer der anderen sie am Schwanz, wirft sie in die Luft und schlägt sie mit dem Baseballschläger einige Meter weit durch die Voliere.

Es ist für mich so schwer begreiflich, wie man das Leben eines Tieres auf diese Weise über das eines Anderen stellen kann. Die meisten von uns sind in dem Glauben und der Hoffnung gekommen, Tiere zu retten. Aber in dem Moment in dem klar wird, welcher Preis dafür gezahlt wird und dass es noch nichteinmal um Auswilderung geht, sondern darum, eine Art "Zoo"  für die Volunteere aufzubauen, wird einem ganz schlecht. Denn wir sind das Geschäft dieses Ortes, an uns verdienen sie das Geld. Deswegen sind die Tiere hier, um zu bleiben.

Ich spreche am nächsten Tag mit P. darüber und es ist sehr interessant. Er sagt, wannn immer du dich für etwas entscheidest, entscheidest du dich gegen etwas anderes und jeder würde beschützen, was er liebt, also schütze er seine Vögel. Das ist eine Erfahrung, die ich ebenfalls gemacht habe, aber ist der Preis für ein Leben immer ein Anderes? Er meint: in dem Moment in dem man ein Tier aufzieht, es an einen gewöhnt und füttert, geht man eine lebenslange Verbindung ein. Eine sehr verantwortungsbewusste Auffasung, wie ich finde. Doch wenn man sich klar macht, dass über 300 Tiere in Afrikan Dawn leben, liegt das Problem auf der Hand. P. sagt, er kann die Welt nicht retten, er kann nur versuchen, den kranken und verletzten Tieren eine zweite Chance zu geben. Und darin ist er ausgesprochen gut. Hier leben einige Vogelarten, die vor P. keiner zum Brüten in gefangenschaft gebracht hat.
Ich bin mir nicht sicher, ob für mich ein Leben in Gefangenschaft tatsächlich eine zweite Chance bedeutet. Vielleicht sind es nur wir Menschen, die den Käfig dem Tod vorziehen würden. Vielleicht ist der Tod für Tiere, in ihrem Bewusstsein um ihre Sterblichkeit und ewige Seele, einfach nur ein neuer Anfang.
Was ich gelernt habe ist, dass jeder, wann immer er etwas retten oder schützen will, einen Preis dafür zahlen muss. Die Konstellationen, in denen Tiere in meinen Augen wirklich geschützt werden, kosten die Verantwortlichen ausgesprochen viel Geld, Zeit und manchmal ganze Aspekte ihres Lebens. P. bezahlt den Preis hier nicht, wir Volunteere zahlen mit Geld, Zeit, Liebe und unserer Illusion von einer grundlegend positiven oder liebevollen Welt. Und das führt, in meinen Augen, immer zu einer Schieflage. Auf diese Weise kommt immer jemand zu schaden. Wäre dieser Ort kleiner, hätte P. die Möglichkeit, alle Gehege rattensicher zu machen und kein Tier müsste sterben. Ich weiß für mich, dass ich nicht das Wesen bin, dass über den Wert eines Lebens zu entscheiden oder gar zu urteilen vermag. Ich glaube, dass eines der grundlegenden Probleme unserer Rasse ist, dass wir verlernt haben, auf eine liebevolle, umsorgende Natur zu vertrauen. Hätten wir noch das Urvertrauen und das tiefe Verständnis der Aborigines, wäre dies eine komplett andere Welt.

Ich stehe am Strand von Jeffreys Bay und beobachte den Sonnenaufgang über dem Ozean. Die Wellen sind perfekt, das Wasser ist schon warm und die ersten goldenen Strahlen liebkosen das Meer. Lewis steht neben mir. Ich schlüpfe aus meinem Kleid und gemeinsam rennen wir in die Fluten.

Samstag, 23. November 2013

Scence

Bevor ich hierherkam sagte man mir, ich solle den Bush mit allen Sinnen wahrnehmen. Ich habe die schwere, süßlich scharfe Gewitterluft gerochen, so intensiv, dass ich sie schmecken konnte, ebenso wie die trockene Leichtigkeit des Tages. Ich haben dem Gesang des Bushes bei Nacht und bei Tag bei Trockenheit und Regen gelauscht. Ich habe das satte Rot des Sandes und das strahlende Grün des frischen Laubes gesehen, ebenso wie den schwerblauen Himmel, das Lichtspiel auf dem Wasser und das Schwarz, der von der Sonne verbrannten Stämme. Ich habe salzige Hitze geshmeckt und die Süße des Baumharzes. Ich spürte die Sanftheit der Erde ebenso wie die Schärfe der Dornen, die aus ihr erwachsen.

Ich bin so wahnsinnig glücklich, es ist einfach alles perfekt! Ich weiß nicht, wieso das Leben mich so zu lieben scheint, aber es ist einfach großartig zu mir. Ich erlebe all diese wundervollen Dinge und jeder Knacks wird ein wichtiger Stein im Mosaik dieses Paradieses.

Trust

Es ist ein verrücktes Gefühl, aber ich habe mir innerhalb von 1 1/2 Monaten ein komplett neues, weiteres Leben aufgebaut. Ich habe Freunde hier, Menschen, die wie Familie sind, Perspektiven und Zukunftsvisionen. Ich stehe also da, mit zwei Leben und fühle mich hilflos. Denn ich liebe beide Leben und ich weiß nicht, wie ich mich entscheiden soll. Und am Ende wird es immer schmerzhaft, denn ich muss eines verlieren. Du kannst nicht zwei Leben leben, wie Gert sagte, sonst zerfließt du in Tränen. Ich habe Zeit bis Sylvester, um zu entsheiden, welches ich will. Und es wir schwer, denn mein Leben in Deutschland ist wunderoll und doch kann ich mir kaum vorstellen, zurückzukehren, die alten Straßen zu gehen, meine üblichen Tätigkeiten aufzunehmen, das ist in meinem Kopf nicht möglich.
Und ich habe Angst, in Deutschland aus dem Flieger zu steigen und das einzige, was ich mir wünsche, ist nach Afrika zurückzukehren. Was tue ich dann, wie reagiere ich, welches Leben?

Was mir hilft ist, dass ich lerne zu vertrauen. Ich spüre die Macht und die Liebe der Natur und des Universums und ich merke jeden Tag, dass sich alles zum Guten wendet, dass alles die richigen Wege geht. Wie Phil zu mir sagte:" Alles ist perfekt, es ist unsere Unfähigkeit, es so zu sehen." Und ich bin sicher, er hat recht. Ich weiß dass, wenn ich es zulasse, die Natur mir helfen wird. Ich glaube, dasist eine meiner wichtigsten Lektionen.

Was ich hier draußen auch lerne, sind meine Prioritäten, was ich wirklich brauche und wünsche. Ich hätte nie gedacht, dass meine Naturverbundenheit mir so wichtig ist. Aber so ist es. Ich möchte über die Systeme hier lernen, ich möchte wissen, in welcher ursprünglichen Welt ich lebe. Und ich möchte die Fähigkeiten weiterentwickeln, die daraus entstehen.
Die Natur hier bringt mich zur Ruhe und ich fange an, Tiefe, Erdung und meine Wurzeln zu spüren und das bedeutet mir unglaublich viel. Ich möchte versuchen, dass zu bewahren, egal wo ich bin.

Ich liege auf dem Dach unseres Schuppens, Phil neben mir. Wir blicken in den Himmel, es ist total klar und dennoch sieht man kaum Sterne, der Vollmond ist zu schön und zu hell. Nur Venus strahlt durch die Nacht, in ihrer Majestät ungebrochen. Die Luft ist warm und erfrischend von der Hitze des Tages. Die Savanne singt ihr Lied, laut und wunderschön und wenn man sehr vorsichtig lauscht, kann man das trommelnde Lied Afrikas hören, welches im gesamten Kontinent klingt. Ich liebe dieses Lied und ich liebe dieses Land.

Mit jedem Tag fühle ich, wie Zuhause ich hier bin. Ich habe mich nirgends so beheimatet gefühlt.

Ich sitze im Buffalo-Hide auf meinem Plastikstuhl. Es ist ein Holzausguck mit Reetdach, etwa 3-4m hoch. Hinter mir steht ein großer Baum, er scheint halb tot, doch ein Teil von ihm trägt schönes Laub. Vor mir, umgeben von einer recht offenen Fläche, ist das Wasserloch, an dem vor einer halben Stunde noch Impalas tranken. Sie haben längst Schutz gesucht. Über mir und um mich tost ein gewaltiger Sturm. Der ganze Hide schwankt unter der Wucht des Windes und der Donner hat eine fast unnatürliche Lautstärke. Vor mir sehe ich einen Blitz aus dem Boden wachsen. Er trifft auf sein Gegenstück aus den Wolken, sie vereinen sich in einer knisternd donnernden Explosion.

Wenn ich die Gewalten der Natur auf diese Weise spüre, merke ich, wie klein und unbedeutend ich bin und wie zart mein Leben ist. Das ist ein wunderbares Gefühl. Für einen Moment vergesse ich die Probleme dieser Welt.

Freitag, 8. November 2013

Nam Myoho Renge Kyo

Ich habe herusgefunden, dass die Körperspannung, die ich oft vermisse und die Verbindung zur Natur, die jch hier dauerhaft zu stärken versuche, maßgeblich von meiner Kopfhaltung abhängt. Halte ich mein Kinn ein wenig stolz erhoben, ist die Körperspannung und die Naturverbundenheit sofort zu spüren, eine Entdeckung, die ich genüsslich erprobe. Auch ist mir aufgefallen, dass meine Zehen gar nicht so seltsam geformt sind, sondern schlicht in einer gekrümmten Haltung verharren, wie Krallen. Mir gefällt dieser vergleich. Wenn ich sie strecke, sehen sie normal aus, fast hübsch.

Ich sitze mit meinerm neu errungenen Selbstgefühl im Jeep. Der Wind pfeift in meinen Ohren und die Hitze des Nachmittags beginnt sich in die gnädige Frische des Abends zu wandeln. Ich spüre dieses neue, erotische Gefühl, meinen Stolz, meine Kraft und meine Präsenz und chante dafür, einen Geparden zu sehen.
Fünf Minuten später steht er vor uns; groß, hübsch, ich liebe den Kontrast der dunklen Flecken im hellen Fell, dass den schlanken athletischen Körper umhüllt. Er verbirgt sich halb hinter einem Baum und verschwindet im Dickicht des Buschs. Aber er läuft nicht weit, ich kann ihn spüren, seinen ruhigen, weisen Blick der uns gefangen hält, ohne dass wir ihn erwiedern könnten.

Und so ist wieder ein Tag perfekt. Ich lebe jetzt seit über einem Jahr mit den buddhistischen Lehren Nichirens und dem Gohonzon und hier in Südafrika chante ich jeden Tag, manchmal Stunden, ganz nebenbei in meinem Kopf oder bewusst mit meinem kleinen Omamori (Reise oder Schutzgohonzon) und es war der schönste Monat meines Lebens. Ein perfekter Tag folgt auf den anderen, ich bin zum bersten gefüllt mit Liebe und Freude und positive Energie und hier im Busch kann ich intensiv erleben, was Marlo Morgan in "Traumfänger" über die Fürsorge der Natur beschreibt. Die Aborigines beten jeden Morgen mit Tänzen und Gesang für die Wunder und Erfahrungen des Tages und ich folge ihrem Beispiel.
Das Chanten, die Natur um mich herum, die viele Zeit, meine Gedanken schweifen zu lassen, das ist perfekt. Ich lecke meine Wunden, heile sie, lasse alte Gefühle hinter mir und habe mich noch nie so gesund und stark und natürlich gefühlt wie hier. Mich jagd ein krativer Schub nach dem anderen und die Dinge die ich anfange, fallen mir leicht und werden gut. Ich vertraue meinem Körper und bin voll Freude über die für mich großartigen Leistungen, zu denen er jetzt mühelos fähig ist. Ich achte nach wie vor nicht darauf mich anzupassen und ich stelle fest, dass es mich nicht mehr traurig macht, anders zu sein und in einigen Punkten, einfach nicht dazuzugehören. Es ist gut, denn ich bin ich.

Auch meine Wut lässt mich nicht im stich und sie hilft mir sehr, alte und neue Gefühle zu verarbeiten. Ich glaube, jeder Mensch drückt seine Agression aus, selbst die, die der Meinung sind, sie hätten gar keine. Sie zeigt sich oft unbemerkt ihres Uhrhebers, anderen als irritierende oder lästige Eigenschaft und ist durch den Versuch sie zu leugnen odet abzuspalten umso gefährlicher. Ich habe die Erfahung gemacht, dass Wut sich verhält, wie ein verstoßenes Kind, wenn man versucht, sie von sich abzuspalten. Sie fängt an zu wachsen, lauter nd heftiger zu werden, grässliche Bilder der Angst zu malen ud weckt die inneren Dämonen, bis sie so beängstigend ist, dass man glauben kann, die ganze Welt möchte nichts als einen brutal zerstören und gleichzeitig gewiss ist, ein Monster, dass zu genau Diesem fähig ist, in sich zu tragen.
Als meine Wut und ich diesen Punkt erreicht hatten, brachten mich wundervolle Menschen dazu, sie wieder aufzunehmen und als Teil von mir zu akzeptieren. Mein Wutmonster schrumpfte zu einer Flauschekugel zusammen und verkrümelte sich schnurrend und zusammenrollend an einen sicheren Platz meines Herzens.

In diesem Sinne,
Nam Myoho Renge Kyo, liebe Welt,
Pass auf dich auf, morgen früh fahren wir um 5:00 zum  Gemsbock- fangen.
Liebe, Rania

Donnerstag, 31. Oktober 2013

CT BestOff!

Ich habe in Cape Town so viele wunerbare Dinge erlebt undich möchte sie euch nicht alle vorenthalten. Hier also meine Cape Town Highlights:

Die Natur um Cape Town ist atemberaubend. Egal wo man steht, man sieht immer den Tafelberg oder Lionshead und den Ozean. Man kann stunden durch den Dschungel der "Zwölf Aposteln" klettern und sich einen Atemzug später in einem Club mitten in der Stadt wieder finden.

Ich habe Tablemountain bestiegen. Den schweren Weg. Und ich bn wahnsinnig stolz auf mich. Mein Körper kann das inzwischen einfach so, ohne Asthma oder andere Attacken, ohne beängstigende Grenzerfahrungen, angenehm und schön! Ich fange an mich in ihm wirklich sicher und Zuhause zu fühlen. Und es hat sich wirklich gelohnt, der Blick über Cape Town von diesem magischen Ort ist enfach beeindruckend und unbeschreiblich schön.

Ich spüre den Fels unter meinen Füßen. Der Stein ist noch warm von der Sonne, deren letztes Licht gerade verschwunden ist. Ich stehe ganz oben auf dem Lionshead wo wir uns den Sonnenuntergang angeschaut haben und im pulsierenden Schein der nächtlichen Stadt mache ich mich barfuß an den abstieg. Der ganze Berg erstrahlt von Glühwürmchen und der Lärm Cape Towns ist aus dieser Höhe kaum zu vernehmen.

Die Wunder des Dschungels, der den geheimen kleinen Bach säumt sowie die Gespräche mit den Bäumen Kirstenboschs, welche ich mit Gert erlebte und teilen durfte, bleiben ewig in meinem Herzen.

Die Company Gardens sind absolut schön! Mitten im Stadtzentrum ist ein wundervoller Park mit den schönsten Bäumen, die ich je gesehen habe. Sie sind nicht alle aus Südafrika, aber das Klima hier scheint ihnen gut zu gefallen und so wachsen sie zu beeindruckender Größe und Schönheit. In ihnen leben wundervolle Eichhörnchen und Vögel und wenn man genau hinhört, greifen die Bäume ihre Lieder auf. Ich habe Stunden damit verbracht, sie zu beobachten, zu zeichnen und mit ihnen Kontakt zu knüpfen und in mitten der bebenden Stadt ist es ein Ort voll Friede und Erdung.

Was ich ganz besonders vermisse, ist das Tanzen. Die Clubs von Cape Town sind wunderschön und vielfältig und es war ein tolles Erlebnis in diese schillernde Welt einzutauchen.

Ich gehe über die Longstreet, meine Freunde aus Brasilien sind mit mir. Ich grüße einen befreundeten Türsteher von einem meiner Lieblingslokale und steuere den nächsten Club an. Auf der anderen Straßenseite prügeln sich Betrunkene, die Securityleute umgeben sie bereits und versuchen zu deeskalieren. Im Kontrast dazu stehen die schillernden, wunderschönen, fröhlich feiernden Menschen in den hübschen, hell erleuchteten Clubs und Bars die die Straße säumen. Trotz dieser Unterschiede fühle ich mich unglaublich wohl und strahle mit der Stadt. Enrique sieht mich von der Seite an und sagt: "You live here." Ich strahle noch etwas heller und sage:"Yes, I do."

Into the wild

Ein Summen erfüllt den ganzen Bus. Die vielen unterschiedlichen Sprachen und Stimmen ergeben die Musik,die die vorbeziehende Landschaft untermalt. Ich meine, ich höre Zulu, Xosa, Afrikaans, kaum Englisch. Außerhalb des Busses ist die Landschft geprägt von Bergen, Nadelbäumen und Landwirtschaft. Die Stewardess des Busses bittet uns, jeden Mitfahrer mit unserer Liebe zu segnen. Wir begeben uns weiter ins Inland und erreichen die Karoo. Es ist die erste Wüste, die ich sehe. Der Sand ist bunt, von dunkelblau zu himmelblau über strahlend grün hin zu allen Farben des Sonnenuntergangs. Es ist ein Regenbogenland und glitzert in der Sonne als bestünde es aus Diamant, eine Schönheit, die ich nicht einmal erahnt habe.
Ich möchte nur hinausschauen und über meine letzten Wochen nachdenken, doch mein Sitznachber lässt mich nicht. Er ist aufdringlich doch durchaus interessant; so erzählt er mir, er habe drei Jahre in Indien verbracht um aus Händen lesen zu lernen. Er gibt mir eine Kostprobe und es ist erstunlich was er in meinen Händen liest. Doch selbst das richtige Handlesen zu lernen und die Regenbogenwüste um mich herum, können den Abschiedsschmerz nicht verblassen lassen. Cape town zu verlassen ist fast schmerzhafter als es war, nach Südafrika aufzubrechen.
Ich habe die letzten Wochen bei Debbie , einer wundervollen Englischlehrerin, die mir Mutter und Freundin geworden ist und ihrem Hund Bob Marley verbracht. Von der Veranda ihres kleinen Hauses in Seapoint kann man rechts die Berge um Lionshead und Signal Hill und links den Ozean sehen. Ich hätte dort ewig bleiben können, uns gegensetig bekochen, gemeinsam kuchensoaps gucken, schöne Spaziergänge mit Marley machen... Ich habe ein Zuhause in Cape Town und ich werde dorthin zurückkehren!
Auch meine Freunde dort fehlen mir sehr. Ich habe verwandte Seelen getroffen, mich mit ganzen Bands, Türstehern, Kellnern und Barkeepern angefreundet und ich kann nicht mehr über die Longstreet laufen, ohne jemanden zu kennen; ich habe mit Taxifahrern mein Eis geteilt, mit ihnen über ihren Beziehungskummer gesprochen und zwischen all dem Fliegen meine Wurzeln bei den Bäumen und Bergen gefunden, die wenn man lauscht, Lieder von alten Zeiten singen.

Tiefe Dunkelheit umgibt uns als wir in dem alten Bus in die Wildnis fliegen. Die Scheinwerfer zerreißen die Nacht um uns herum und lassen hin und wieder Schemen großer Körper aufleuchten, welche meine Fantasie zu Tieren formt. Die befestigte Straße hat sich in einen Sandweg verwandelt und der Van kracht bei dieser Geschwindigkeit so sehr, dass ich mich frage, wie lange er standhält.
In unserer ersten Nacht begrüßt uns ein Gewitter, wie ich es selten erlebt hab. Es ist warm, Blitze zucken über uns und der Sturm bläht die Vorhänge. Ein mosuartiger Regen folgt, der die rote Erde mit leuchtenden Spiegeln übersäht. Er wird die Savanne zum blühen bringen.

Meine Welt in Deutschland wirkt klein, gegen die Größe dieses Landes.